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Zuletzt angepasst am 09.10.2021

Atemtherapie und Bewegungsübungen zum Mitmachen

"Das Erste, was zu lernen ist, ist der Atem" (Buddha, 540 - 480 v. Chr.)

Die Therapie mit der Atmung und für die Atmung kann sowohl zur Krankheitsvorbeugung als auch zur Krankheitsbehandlung eingesetzt werden.

Auch wenn unsere Atmung ununterbrochen unbewusst ablaufen kann, versuchen wir sehr oft bewusst gesteuert in unseren Atemrhythmus einzugreifen. Manchmal meint man durch Luftanhalten seine Leistung steigern zu können, z.B. wenn man etwas Schweres hochheben möchte oder über eine längere Strecke transportieren soll. Oder man bewegt sich schneller oder auch mit einer höheren Intensität und glaubt durch schnelleres Atmen mehr Sauerstoff für die Muskulatur über die Einatmung bereit zu stellen. Oft findet der Eingriff aber auch unbewusst- also als unbewusste Reaktion und Reflex statt. Beispiele hierfür sind unangenehme Empfindungen wie Angst, Nervosität, Aufregung, eiskaltes Wasser, Hitze, Schmerzen, … hierbei wird unbewusst als körpereigener „Schutz-“Mechanismus die Luft angehalten. Untersuchungen haben aber ergeben, dass diese schlechten Gewohnheiten vermieden bzw. geändert werden sollten. Schmerz kann schließlich durch einen bewussten Einsatz der Lippenbremse auch weggeatmet werden.

So ist sicher ein wesentlicher Bestandteil der Atemtherapie- neben dem Erlernen der wichtigsten Selbsthilfetechniken Lippenbremse, Bauchatmung und atemerleichtender Stellungen- die Bewusstmachung und Wahrnehmung der Atmung. Um somit schlechte Gewohnheiten bewusst zu machen, damit sie geändert werden können.

 

Zu den Gewohnheiten, die bewusst gemacht werden müssen / sollten, gehört auch die Kombination von Atmung und Belastung. Neben dem bewussten, generellen Einsatz der Lippenbremse und der Bauchatmung bei längeren Belastungen, sollte bei kurzen und steuerbaren Belastungen die Atmung entsprechend mit der Belastung kombiniert werden:
Ausatmung – Anstrengung / Anspannung + Einatmung – Entspannung.
Dieses kann vielfältig trainiert werden, ob mit oder ohne Gerät, an den medizinischen Trainingstherapiegeräten, an der Treppe, im Sitzen / Stehen / Liegen, … und damit wird im Rahmen der Atemtherapie auch die Leistungsfähigkeit und die körperliche Belastbarkeit gesteigert bzw. verbessert und die täglichen Belastungen des Alltags können besser bewältigt werden.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Atemgymnastik ist das Lösen von Sekret. Im Bereich der Bronchien kann dies - neben dem Einsatz von Wärmeanwendungen, Inhalationen und den bekannten Hilfsmitteln - durch Übungen zur Brustkorbmobilisation, mit Dehn- und Drainagelagerungen oder auch vertikalen „Erschütterungen“ (z.B. auf dem Trampolin federn oder mit leichten Federungen im Sitzen auf dem Pezziball) Sekret gelöst werden. Durch gezielte Atemübungen (Stenosen-, Kreuzatmung) und schleimlösenden Massagegriffen und Ausstreichungen kann das Sekret im Nasennebenhöhlen- bzw. Stirnhöhlenbereich gelöst werden. Dies ist übrigens nicht nur für die generelle Einatmung durch die Nase aufgrund der Anfeuchtungs-, Erwärmungs- und Filterfunktion wichtig sondern auch ganz speziell für Patienten, die eine Sauerstofflangzeit-therapie (LTOT) durchführen.

Für eine effektive Atmung sind sowohl Übungen zur Reduzierung der Überblähung, der Steigerung der Lungenbelüftung, der Reduzierung des Atemhilfsmuskeleinsatzes (z.B. bei der Einatmung werden die Schultern hochgezogen, mit der Zeit ist es ein „chronischer“ Schulterhochstand)- oft auch als Vertiefung und Ökonomisierung der Atmung bezeichnet- wichtig. Diese Übungen gehen einher mit Bewegungsübungen zur Steigerung der Thoraxbeweglichkeit. Durch jahrelanges Schonverhalten und das Angewöhnen von Ausweichbewegungen und Schonhaltungen, ist es ein wesentlicher Bestandteil der Atemtherapie. Hierbei soll die Beweglichkeit des Bindegewebes, der Wirbelsäule, der Rippenwirbelgelenke und des Schultergürtels verbessert oder wieder hergestellt werden. 

Durch regelmäßiges Üben der Dehn- und Drainagelagerungen und der Übungen zur Thoraxmobilisation tritt ein weitere positiver Effekt der Atemtherapie ein: die Pneumonieprophylaxe.

Da sich Stress (Anspannung, Druck, Unsicherheit, Aufregung,…) in den meisten Fällen negativ auf die Atmung (verschlägt die Sprache / Stimme, der Atem bleibt wie ein Kloß im Hals stecken, schnürt einem die Luft ab,…) auswirkt, ist es aber auch wichtig, im Rahmen der Atemtherapie Entspannungsverfahren zu erlernen. In einigen Entspannungstechniken erfolgt dies über die Kombination von Muskelanspannung / -entspannung bzw. bestimmten Bewegungen mit der Atmung. In anderen Verfahren wird die Entspannung über die Konzentration auf schöne Ereignisse / Geräusche mit denen man positive Gedanken verbindet oder Bilder von Dingen an denen man sich erfreut erreicht. Wichtig ist aber, dass jeder mit Stress anders umgeht und auf Stress anders reagiert. Auch bedingt durch die aktuelle Verfassung und den Gesundheitszustand reagiert man immer wieder unterschiedlich: geht es einem eh schon schlecht, ist die Stressschwelle meistens sehr viel geringer bzw. ist man gut drauf und hat keinen Infekt ist man oft weniger stressanfällig. Wichtig ist nur, dass man nicht auf eine Technik fixiert ist, sondern tatsächlich je nach Verfassung und Befinden, Örtlichkeit und Umfeld die passende Entspannungstechnik anwenden kann.

Neben den Übungen aus der Atemtherapie sollten aber auch gezielte Bewegungsübungen zur Osteoporoseprophylaxe zum täglichen Heimprogramm gehören. Damit dies etwas leichter fällt und der innere Schweinehund nicht ganz so laut zu Wort kommt, können am Besten die Gerätschaften des Alltags zum Training genutzt werden. So nach dem Motto: „eh schon in der Hand, also auch zum Training nutzen“. Wichtig ist einfach nicht der Druck, ich muss heute noch 20 Minuten Gymnastik machen. Sondern die Einstellung jede noch so kleine Leerlaufzeit und Möglichkeit im Alltag- sowohl z.B. morgens nach dem Wecker klingeln bevor man aufsteht, als auch abends auf dem Sofa bei der Lieblingsserie oder der täglichen Nachrichtensendung für sich, seine Übungen und damit für seine Gesundheit und das eigene Wohlbefinden zu nutzen. Gerade bei den Übungen zur allgemeinen Kräftigung lassen sich die Alltagsgegenstände wie: Kochtopf, Handtuch, Getränkeplastikflaschen (z.B. gefüllt mit Sand, Murmeln, Steinen), Konservendosen, Bücher sehr gut und zu einem abwechslungsreichen Training nutzen. Hierbei sind der eigenen Phantasie aber keine Grenzen gesetzt und wenn man mit offenen Augen seinen Haushalt begutachtet, findet bestimmt jeder noch weitere Trainingsgeräte in seinem hauseigenen Fitnessstudio. Auch das Eigengewicht der Arme bzw. Beine eignet sich hervorragend zum Heimtraining. Und wenn dann noch- neben der abwechslungsreichen Gestaltung des Trainings- auch das Bewegungstempo und das Bewegungsausmaß variiert werden, erreicht man einen guten Trainingseffekt und tut was für sich!

Auch wenn diese Übungen oft mit großem Protest verbunden sind und zu den eher ungeliebten Therapieeinheiten zählen, ist es trotzdem sehr wichtig auch Bewegungen zur Verbesserung der Koordination in das Trainingsprogramm einzuflechten. Denn diese Übungen dienen nicht nur dazu das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln zu verbessern- wodurch mit der Zeit weniger Sauerstoff verbraucht wird- sondern sie dienen auch der Sturzprävention und -prophylaxe.

Und zu guter Letzt sollte nicht vergessen werden, die Muskulatur mit Übungen zur Dehnung wieder flexibel zu machen und damit die Beweglichkeit zu erhöhen.

Alles in allem greifen sicher die einzelnen Übungen immer ineinander, ergänzen sich bzw. dienen auch mehreren Schwerpunkten und haben bei der Ausführung und beim Üben und Trainieren weitere positive Nebeneffekte. Denn generell gilt: Bewegung erhöht das Lungenvolumen, verbessert die Atmung, verbessert die Sauerstoffaufnahme bzw. – transport, bremst den Gehirnalterungsprozess (= Demenzschutz), reduziert die Altersdiabetes, senkt den Blutdruck, fördert das körperliche Wohlbefinden, führt zu psychischer Ausgeglichenheit, stärkt das Immunsystem, bringt Mobilität und steigert die Lebensqualität. Ich denke, das sind ganz viele Gründe mit dem Training anzufangen und dann auch in Zukunft zu trainieren.

Also los geht´s.

Quelle: Vortrag von Michaela Frisch, Bad Dürrheim Cheftherapeutin der Espan Klinik, auf dem 6. Symposium Lunge am Samstag, den 12. Oktober 2013 von 9:00-18:00 Uhr in Hattingen (NRW)

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