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Zuletzt angepasst am 09.10.2021

Inhalative Verabreichung von Medikamenten - Fehlerquellen und Optimierungsmöglichkeiten

Die obstruktiven Atemwegserkrankungen Asthma bronchiale und COPD gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Prävalenz (Häufigkeit der Erkrankung) für beide  Erkrankungen weltweit zunimmt.

In Deutschland müssen wir wegen der Altersentwicklung in der Bevölkerung mit einer besonderen Zunahme der COPD-Häufigkeit rechnen. Leider gehört die COPD weltweit auch zu den häufigsten Todesursachen. Dies ist erfreulicherweise beim Asthma bronchiale nicht so, da ein Asthma bronchiale letztlich wesentlich effektiver behandelt werden kann als eine COPD und sich insbesondere auch die Sterblichkeit durch eine moderne medikamentöse Therapie eindeutig senken lässt.

Alle obstruktiven Atemwegserkrankungen werden primär mit einer inhalativen Therapie bzw. durch die inhalative Verabreichung von Arzneimitteln therapiert. Im Laufe der letzten Jahre hat es auf diesem Gebiet zahlreiche  Weiterentwicklungen gegeben, die die Therapie noch wirksamer gemacht haben. Neben der Entwicklung neuer Substanzen mit vor allem längerer Wirkdauer sind auch weitere Inhalationssysteme auf den Markt gekommen. Die Vielfalt  der verfügbaren Substanzen zur Inhalation und auch der Inhalationssysteme ist inzwischen groß, für den Nichtspezialisten vielleicht sogar unübersichtlich geworden. Andererseits ermöglicht die Vielfalt auch eine sehr individuelle, bzw.  personalisierte Therapie. Dies kann im Einzelfall auch bedeuten, dass ohne eine bedeutsame Änderung bei den Wirkstoffen vorzunehmen, das Inhalationssystem ausgetauscht werden kann. Hierfür kann es verschiedene Gründe geben.

Den großen Erfolgen der inhalativen Therapie stehen leider seit Jahren auch unverändert Anwendungsprobleme gegenüber. Trotz aller Weiterentwicklungen gibt es erwartungsgemäß bisher kein Inhalationssystem, dass sich „von allein“  erklärt. So ist in jedem Falle eine intensive Schulung auf das verordnete Inhalationssystem erforderlich. Neben der primären Einweisung in die richtige Handhabung der einzelnen Systeme wird dringend empfohlen, Handhabung  und insbesondere Inhalationsmanöver  Auch bei der ersten Wiedervorstellung beim Hausarzt oder Facharzt zu überprüfen und ggf. die Handhabung durch erneute Schulung zu korrigieren. Die wiederholte Überprüfung bzw. Schulung trägt erheblich zum Erfolg der Therapie bei.

Inzwischen ist durch verschiedene Studien klar geworden, dass die Zufriedenheit eines Patienten mit seinem Inhalationsgerät auch förderlich für die regelmäßige Nutzung ist. Die regelmäßige Anwendung der verordneten  Inhalationstherapie wiederum ist auch für den Langzeitverlauf der Erkrankung entscheidend, ebenso z.B. bei der COPD für die Häufigkeit der akuten Verschlechterungen (akute Exazerbationen). Auf der anderen Seite wurde wiederholt durch verschiedene Studien gezeigt, das seine fehlerhafte Anwendung des verordneten Inhalationssystems zu einer schlechteren Kontrolle der Symptome, zu häufigeren akuten Exazerbationen, zu häufigeren Krankenhausaufenthalten und zu häufigeren Notfallvorstellungen in klinischen Ambulanzen führt. Fasst man diese Tatsachen zusammen, so müssen folgende Empfehlungen ausgesprochen werden.

- Intensive Ersteinweisung in die richtige Handhabung jedes Inhalationssystems und eine wiederholte Überprüfung der korrekten Anwendung sind unerlässlich für eine wirksame Therapie
- Fehler bei der Inhalation reduzieren die Wirksamkeit der Therapie bis hin zu einem Nulleffekt
- Ist der Patient unzufrieden mit seinem Inhalationsgerät  oder kann durch wiederholte Schulung eine korrekte Handhabung nicht sichergestellt werden,  so sollte auf ein anderes System gewechselt werden
- Vor jeder Therapieeskalation (Erweiterung der Therapie) sollte zunächst das Inhalationsmanöver mit dem vorhandenen System überprüft werden

Vieles spricht dafür, dass bei vielen Patienten die durch eine inhalative Therapie im Alltag erreichten Effekte hinter denen zurückbleiben, die bei optimaler und regelmäßiger Anwendung der Inhalation erreichbar wären. Daher muss allen Patienten geraten werden, jede Gelegenheit zur Überprüfung der Anwendung ihres/ihrer Inhalationssysteme zu nutzen bzw. auch von sich aus einzufordern.

Quelle: Vortrag von Dr. med. Thomas Voshaar Ärztlicher Direktor Chefarzt Medizinische Klinik III Lungenzentrum Krankenhaus Bethanien, Moers, auf dem 10. Symposium Lunge am Samstag, den 02. September 2017 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW)

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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