Bisherige Besucher: 5784455

Zuletzt angepasst am 09.10.2021

Cortison - Notwendigkeit, Nutzen, Nebenwirkungen

Cortison ist ein Hormon, welches vom Körper selbst produziert wird. Hormone sind Botenstoffe zur Übertragung von Signalen zur Auslösung von Reaktionen im Stoffwechsel. Wenn man es genauer wissen möchte, wird der Wirkstoff  Cortisol genannt und in der Nebennierenrinde (NNR) gebildet.

Es gibt viele Synonyme für das Cortison. Alle Substanzen gehören zu den Glucocorticoiden, auch Glukokortikoide geschrieben, oder einfach Steroide. Die natürlich im Körper vorkommenden Substanzen heißen Cortison und Cortisol.  Synthetisch, also künstlich können Medikamente hergestellt werden, die cortisonähnlich wirken.

Das erste Cortison wurde 1948 bei Rheuma sehr erfolgreich eingesetzt. Die Anwendung von Cortison ist weit verbreitet und umfasst die unterschiedlichsten Erkrankungen. Grundsätzlich gilt, dass alle entzündlichen Erkrankungen im  Körper prinzipiell mit Cortison behandelt werden können. Dazu gehören z. B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen, eine Leber- oder Nierenentzündung, Multiple Sklerose oder Gefäßentzündungen. Im Bereich der Lunge ist Ihnen  allen der Gebrauch bei Asthma bronchiale oder COPD bekannt. Nach Lungentransplantation ist eine Immunsuppression ohne Cortison undenkbar.

Cortison kann allerdings keine Krankheit heilen, es bessert nur die aktuelle Situation einer Erkrankung. Nach Abklingen der Entzündung bzw. der Symptome muss die Therapie mit anderen Medikamenten fortgesetzt werden. Die  Wirkung von Cortison beginnt nach Einnahme erst 15 Minuten bis einige Tage nach Einnahme, weil Cortison ein Hormon ist, das verschiedene Vorgänge im Körper aktiviert. 8-25 mg Cortisol werden pro Tag von der NNR ausgeschüttet, bei Stress bis zu 300 mg.

Haben Sie manchmal Stress? Dann sollten Sie Ihre Ernährung umstellen! Geeignet dazu sind z. B. Nüsse und bekanntlich dunkle Schokolade, aber auch Blaubeeren, Avocado, Blattgrün, Möhren, Meeresfisch und Orangen.

Die hormonelle Steuerung erfolgt über einen Regelkreis der NNR mit dem Hypothalamus im Gehirn und der Hirnanhangdrüse. Bei externer Cortisonzufuhr wird dieser Regelkreis unterdrückt und der Körper kann nicht sofort wieder das  körpereigene Cortisol in ausreichender Menge zur Verfügung stellen. Deshalb sollte bei längerem Cortisongebrauch über 5-10 mg/ Tag eine nur sehr langsame Reduktion der Dosis erfolgen. Schlussendlich sollte allerdings trotzdem  probiert werden, z. B. bei COPD bei fehlender Indikation das Cortison komplett abzusetzen.

Cortison hat im Körper viele Aufgaben. Es gilt als Stresshormon. Es mobilisiert Energiereserven und bewirkt den Abbau von Eiweiß. Dadurch kommt es zur Blutzuckersteigerung und zur Fettfreisetzung. Es sichert die  Herzkreislauffunktion und steuert den Wasserelektrolythaushalt. Die Zellteilung wird verlangsamt und allgemein werden immunologische und allergische Prozesse unterdrückt. Sehr segensreich kann die Therapie mit Cortison bei  durch Krebsmittel ausgelöstem Erbrechen sein. Auch bei durch Metastasen bedingtem Hirnödem entfaltet sich eine große Wirkung.

Cortison kann sowohl lokal als auch systemisch (über Tabletten oder intravenös) eingesetzt werden. Vom Hautarzt kennen Sie die Salben bei Entzündungen der Haut. Bei den Lungenerkrankungen stehen die Inhalativa im  Vordergrund. Bei normaler Dosierung kommt es dabei nicht zu systemischen Nebenwirkungen, allerdings sollte nach Inhalation immer der Mund ausgespült werden oder die Zähne geputzt werden.

Bitte beachten bei Cortisoneinnahme:

  • Ausschleichen erforderlich (körpereigene Cortisonproduktion muss erst aktiviert werden)
  • Nicht länger als 3 Wochen ohne ärztliche Kontrolle
  • Nicht länger mehr als 10 mg pro Tag
  • Inhalativa können folgende Nebenwirkungen hervorrufen:
    - Pilzbefall im Mund (nach Inhalation Mund ausspülen, Zähne putzen)
    - Heiserkeit
  • Einnahme der Tabletten morgens vor 8 Uhr oder 2/3 morgens und 1/3 abends
  • Stoßtherapie: 3-5 Tage höhere Therapie bei akuter Symptomatik

Bei längerer Behandlung können Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehört das Cushing-Syndrom mit Vollmondgesicht, Stiernacken, Gesichtsrötung und brüchigen Hautfalten. Weiterhin kann es zu einem Blutdruckanstieg und zu einer  Erhöhung der Blutfette kommen. Durch den Blutzuckeranstieg kann sich eine Zuckerkrankheit entwickeln. Die Gewichtszunahme wird von vielen Patienten beklagt, Ursache ist meist ein deutlicher Heißhunger unter Cortisoneinnahme. Es kommt zu Wassereinlagerungen ins Gewebe, erhöhter Infektanfälligkeit und einer zunehmenden Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), die bei längerer Einnahme von Cortison unbedingt mit Kalzium und Vitamin D behandelt werden  sollte

 

Der Teufelskreis der Immobilität entwickelt sich z. B. beim COPD-Patienten durch die durch Cortison bedingte Muskelschwäche insbesondere der Extremitäten, welche zu einer zunehmenden Immobilität führt. Es bildet sich eine  Pergamenthaut mit vermehrten petechialen Einblutungen aus.

Um diesen Teufelskreis erst gar nicht entstehen zu lassen, sollte Cortison nur kurzfristig hochdosiert, langfristig niedrigdosiert, dann aber ausgeschlichen werden. Sie können als Patient so einiges dazu tun, dass die Nebenwirkungen eingedämmt werden!

Sie hören durch Bekannte und andere Patienten viel über Cortison und seine Nebenwirkungen. Lassen Sie sich nicht beeinflussen. Hören Sie auf Ihren Arzt und auf die richtig gestellte Indikation. Sie sollten in Bewegung bleiben! Dazu  bieten sich die Lungensportgruppen an. Aber auch ein täglicher Spaziergang kann helfen. Beenden Sie das Rauchen und schränken Sie den Alkohol ein. Als Osteoporoseprophylaxe empfiehlt sich neben der Bewegung die Aufnahme  von Milchprodukten sowie die Ca/Vit-DSubstitution, ggfs. die Gabe von Bisphosphonaten (Knochenaufbaustoffe).

Es empfiehlt sich eine ausgewogene Ernährung:

  • viel grünes Gemüse - Osteoporoseprophylaxe
  • wenig Salz - besser pflanzliche Gewürze verwenden
  • wenig Fett - besser ungesättigte (pflanzl.)
  • ettsäuren verwenden
  • wenig süße Speisen/Kalorien - Kohlenhydraten nicht über Weißmehl, sondern über Vollkorprodukte, Kartoffeln und Gemüse zuführen
  • mehr Eiweiß - mehr Fisch und magere Milchprodukte
  • mehr Kalzium - durch Obst, Bananen, Gemüse, insbesondere Tomaten, Kartoffeln
  • mehr Vitamine - durch frisches Obst und Salate

Wenn Sie regelmäßig Cortison einnehmen müssen, sollten Sie regelmäßige ärztliche Kontrollen durchführen. Ihr Hausarzt kann die meisten einfachen Untersuchungen durchführen. Wichtig ist, dass Sie einen Ansprechpartner haben,  der Sie kennt und Veränderungen und von Ihnen geschilderte Symptome (wie z.B. Rückenschmerzen, Infektneigung) wahrnehmen kann.

Wichtig ist es, die Bedeutung der Cortisontherapie bei Asthma und COPD abzugrenzen.

Asthma ist eine Entzündung der Atemwege, die Erkrankung verläuft chronisch und dauerhaft. Es gibt Zeiträume mit stärkeren, schwächeren und keinen Beschwerden. Medikamentös ist Cortison das wirkungsstärkste Medikament und wird nach den GINA- Leitlinien zur Bekämpfung der Entzündung und Verminderung der Überempfindlichkeit der Bronchien als Langzeitmedikament (überwiegend inhalativ mit geringem Nebenwirkungsprofil) eingesetzt.

Bei COPD ist Cortison inhalativ nur speziellen Patientengruppen vorbehalten. Nach den Daten der WISDOM- und der FLAME- Studie kann Cortison inhalativ ohne Zunahme der Exazerbationen sogar abgesetzt oder bei mittel- schwergradiger COPD durch inhalative ß2-Mimetika/Parasympatholytika LABA/LAMA- Kombination) ersetzt werden.

Quelle: Vortrag von Dr. med. Urte Sommerwerck Leitende Oberärztin ‚ Pneumologie u. Beatmungsmedizin HELIOS Klinikum Wuppertal - Klinikum der Universität Witten/Herdecke Bergisches Lungenzentrum - Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, auf dem 10. Symposium Lunge am Samstag, den 02. September 2017 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW)

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
Der Abdruck bzw. die Weiterverwertung dieses Artikels oder Teilen daraus in Print/Onlinemedien bedürfen der vorherigen schriftlichen Genehmigung der Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland und sind nur mit der oben genannten Quellangabe gestattet.