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Zuletzt angepasst am 09.10.2021

Wirkstoffe zur Behandlung von COPD und Lungenemphysem

Welche Medikamente zur Behandlung von COPD zur Verfügung stehen, wie sie wirken und eingenommen werden sollten, wird Prof. Dr. Adrian Gillissen, Direktor der Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin am Klinikum Kassel, in seinem Vortrag auf dem 8. Symposium Lunge am 12. September 2015 detailliert erläutern.

Es gibt bestimmte Medikamente aber auch nicht-pharmakologische Verfahren, die zur Behandlung einer COPD (chronisch-obstruktive Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem) eingesetzt werden. In der Gruppe der Medikamente unterscheidet man:

  • Bronchialerweiternde Substanzen (Bronchodilatatoren)
  • Antientzündlich wirkende Substanzen
  • den Bronchialschleim mobilisierende Medikamente (Sekretolytika, Mukolytika)

Bei den nicht-pharmakologischen Verfahren differenziert man zwischen:

  • Bronchoskopische Behandlung des Lungenemphysem mit z.B. Coils (Spiralen), Ventilen und anderen
  • Operative Verfahren, wie z.B. operative Emphysemchirurgie, Lungentransplantation
  • Sauerstofftherapie (akut im Notfall oder als Langzeit-Sauerstofftherapie) und Beatmungsverfahren (nicht-invasiv, invasiv auf der Intensivstation)
  • Rehabilitation inkl. Krankengymnastik, Atemtherapie, Lungensport

Auch wenn die medikamentöse Therapie in der oben aufgeführten Liste scheinbar den kleineren Anteil der zur Verfügung stehenden Behandlungsverfahren haben, so stellt sie die wichtigste Möglichkeit dar, die COPD zu therapieren und wird deshalb im Vortrag von Herrn Prof. Gillissen im Fokus stehen. Nur das Lungenemphysem kann im Gegensatz zur Bronchialverengung (Obstruktion) leider nicht mit Medikamenten therapiert werden, da es sich dabei um eine nicht mehr umkehrbare (irreversible) Erweiterung der Lungenbläschen (Alveolen) handelt.

Die medikamentöse Therapie richtet sich nach der Erkrankungsschwere, die sich über das Ausmaß der Lungenfunktionseinschränkung und der Krankheitssymptome (insbesondere Atemnot und deswegen Einschränkung der Lebensqualität), sowie anhand des jeweiligen Exazerbationsrisikos (d.h. der Wahrscheinlichkeit, als Patient eine akute Erkrankungsverschlechterung zu erleiden) definiert. Ist die Lungenfunktion besonderes beeinträchtigt, die Atemnot ausgeprägt und ist das Risiko für eine COPD-Exazerbation hoch, muss die medikamentöse Therapie intensiviert werden. Im umgekehrten Fall sollte sie deeskaliert werden. Die Medikamente werden vorzugsweise inhalativ verabreicht, können oder müssen - je nach Präparat - aber auch oral eingenommen werden. Im Notfall werden die meisten Substanzen (Kortison, ß2-Mimetika) auch intravenös verabreicht.
Welche Wirkungen und ggf. Nebenwirkungen die einzelnen Wirkstoffgruppen haben und wie sie eingenommen werden, wird Prof. Gillissen in seinem Vortrag im Einzelnen erläutern und dabei insbesondere auf die folgenden Medikamente eingehen:

Bronchialerweiternde Medikamente:

  • Rasch- und langwirksame ß2-Mimetika: Salbutamol, Terbutalin, Fenoterol, Salmeterol, Olodaterol, Indacaterol. Schnell- und langwirksame Anticholinergika (Ipratropiumbromid, Tiotropiumbromid, Glycopyrronium, Aclidiniumbromid)
  • Theophyllin
  • Antientzündlich wirkende Substanzen (kortisonhaltige Präparate für die inhalative, orale und intravenöse Applikationsform, Roflumilast)
  • Kombinationspräparate
  • Bronchialschleim lösende Medikamente (chemisch: N-Acetylcstein, Ambroxol, pflanzlich: Myrtol, Cineol, Thymian)
  • Antibiotika

Quelle: Vortrag von Prof. Dr. med. Adrian Gillissen, Klinikdirektor Klinik für Lungen- und Bronchialmedizin am Klinikum Kassel , auf dem 8. Symposium Lunge am Samstag, den 12. September 2015 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW)

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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