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Zuletzt angepasst am 12.10.2020

COPD - Die verkannte Volkskrankheit

Wie ist die COPD definiert?
Hinter der Abkürzung COPD verbirgt sich der englische Begriff "Chronic Obstructive Pulmonary Disease", der auf Deutsch mit "Chronisch obstruktive Lungenerkrankung" übersetzt wird. COPD wird als Sammelbegriff für die Volkskrankheiten chronische obstruktive Bronchitis und Lungenemphysem verwendet.

Was ist über Ursachen und Häufigkeit bekannt?
Hauptursache für die Entstehung einer COPD ist das Rauchen. Zwar können auch Nichtraucher betroffen sein, doch knapp neun von zehn COPD-Patienten rauchen oder haben früher geraucht. Je früher begonnen wurde, je länger und je mehr Zigaretten pro Tag geraucht wurden, desto höher ist das Risiko, an einer COPD zu erkranken. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko für COPD. Die Bedeutung des Nikotinkonsums zeigt sich an der Entwicklung bei Frauen ganz deutlich. Während über Jahrzehnte Männer die COPD-Statistik anführten, erkranken mittlerweile nahezu ebenso viele Frauen. In ca. 15 % tritt die Erkrankung bei Menschen auf, die nie geraucht haben. Allein das Alter (> 40 Jahre) stellt einen wesentlichen Risikofaktor dar, vergleichbar mit dem Rauchen von 0 bis 10 Packungsjahren. Vor allem in den Niedriglohnländern sind andere Risikofaktoren wie Rauchentstehung beim Kochen oder Heizen mit Biomasse-Brennstoffen Gründe für die Entwicklung einer COPD. Weitere potentielle Risikofaktoren beinhalten die berufliche Feinstaubexposition sowie die Erkrankung an Tuberkulose. Ein typisches Beispiel ist die COPD des Bergmanns, eine in Deutschland anerkannt Berufserkrankung. Daneben spielen genetische Faktoren wie der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel eine Rolle.

Wie wird die COPD diagnostiziert?
Inzwischen wurde deutlich, dass Patienten mit COPD häufig nur geringe Symptome aufweisen, die zudem unspezifisch sind. Deshalb wird die Diagnose COPD meist spät oder vielfach auch zu spät gestellt. Basis der Diagnostik ist heute ein Lungenfunktionstest, auch Spirometrie genannt. Findet sich eine Einschränkung der Einsekundenkapazität (FEV1/FVC < 70 %), gilt nach GOLD und Deutscher Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin seit 2007 eine Schweregradeinteilung der COPD.

Wie wird die COPD richtig behandelt?
Die effektivste therapeutische und präventive Behandlung der COPD ist die Raucherberatung und Tabakentwöhnung, also die absolute Nikotinkarenz. Sie verbessert die Langzeitprognose bei COPD effektiver als jedes Medikament und muss die Behandlung flankieren. Die medikamentöse Behandlung orientiert sich am Schweregrad der COPD. Je schwerer die Erkrankung, desto mehr Medikamente müssen kombiniert werden.

Leichte COPD (Stufe I)
Hier sind lediglich inhalative Bronchodilatatoren mit raschem Wirkungseintritt (z. B. Sultanol ™, Atrovent™, Berodual™) indiziert.

Mittelschwere COPD (Stufe II)
Bei diesem Schweregrad ist die Behandlung mit einem oder mehreren Bronchodilatatoren (kurz-/langwirksame Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika, Theophyllin) indiziert. Wegen der geringen Nebenwirkungen kommen primär Anticholinergika (z. B. Spiriva™, Spiriva-Respimat™) zum Einsatz, doch stehen auch langwirksame Beta-2-Mimetika (z. B. Oxis™) zur Verfügung. In Bezug auf die Verbesserung der Lungenfunktion sind langwirksame Anticholinergika und Beta-2-Sympathikomimetika gleich wirksam. Die Kombination beider Medikamente führt zu einer weiteren Besserung der Spirometrie, so dass von einem additiven Effekt der einzelnen Wirkstoffe ausgegangen werden muss. Einen tieferen Einblick in die Wirksamkeit von Spiriva™ in der Langzeittherapie von Patienten mit COPD wird die vierjährige UPLIFT-Studie ergeben, die Ende 2008 abgeschlossen sein wird. Auf Theophylline sollte wegen des hohen Nebenwirkungspotenzials primär verzichtet werden.

Schwere COPD (Stufe III)
Ergänzend zu den Medikamenten der Stufe II kommen inhalierbare Kortikosteroide (z. B. Pulmicort™, Fluticason™) einzeln oder in fixer Kombination mit langwirksamen Beta-2-Mimetika (z. B. Symbicort™, Viani™, Foster™) zum Einsatz, sofern eine erhöhte Exazerbationsrate vorliegt. Die wesentliche Bedeutung liegt in der Reduktion der Exazerbationsfrequenz. Inhalative Kortikosteroide senken weder allein noch in Kombination mit einem langwirksamen Beta-2-Sympathikomimetikum die Sterblichkeit von COPD-Patienten. Das Absetzen der inhalierbaren Kortikosteroide scheint mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion und Zunahme der Atemnot und der Exazerbationen einherzugehen.

Sehr schwere COPD (Stufe IV)
Additiv zu den Medikamenten der Stufe III bleiben nur noch unterstützende Therapiemaßnahmen übrig. Bei Sauerstoffmangel besteht die Indikation zur Sauerstoff-Langzeittherapie, eine Herzschwäche (Cor pulmonale) wird mit herzwirksamen Medikamenten behandelt und bei stark belasteter Atemmuskulatur (Atempumpe) wird die nicht invasive Heimbeatmung eingesetzt.

Exazerbation
Nicht nur an der Entstehung, sondern insbesondere an der Verschlimmerung der COPD im Rahmen von Exazerbationen haben bakterielle und virale Infekte einen beträchtlichen Anteil. Leichte Exazerbationen werden ambulant, schwere stationär behandelt und tragen entscheidend zu den enormen Gesundheitskosten bei. Über den Einsatz und die Dosierung von Antibiotika und Kortison muss im Einzelfall entschieden werden.

Und was hilft sonst noch?

Training und Lungensport
Ab der mittelschweren COPD (Stufe II) sind ergänzend rehabilitative Maßnahmen und Lungensport indiziert. Bei COPD-Patienten führt körperliches Training zu einer Reduktion der Atemnot, Steigerung der Leistungsfähigkeit und Zunahme der Lebensqualität.

Ernährung
Unter- und Mangelernährung sind bei COPD keine Seltenheit. Mit der Abnahme von Körpergewicht und Muskelmasse sinken Lebensqualität und Lebenserwartung. Deshalb sollten bei der Behandlung von COPD-Patienten auch ernährungsmedizinische Aspekte berücksichtigt werden. Die Indikation für eine ernährungsmedizinische Intervention besteht spätestens bei COPD-Patienten, bei denen der BMI < 21 kg/m² beträgt oder die einen unbeabsichtigten Gewichtsverlust von 5 % erleiden. Ernährungsempfehlungen beinhalten ausgewogene Mischkost und viel Eiweiß (> 1g/kg KG) sowie kalziumreiche Kost.

Impfung
Zur Prävention wird die Grippeschutzimpfung empfohlen. Nachgewiesen wurde, dass die Grippeimpfung bei älteren Patienten mit COPD einen Vorteil hinsichtlich der Häufigkeit von Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Mortalität hatte. Der Stellenwert der Pneumokokkenimpfung wird kontrovers diskutiert.

Was muss verbessert werden?
Fünf Forderungen müssen gestellt werden. Wir brauchen 1) mehr Aufklärung, besonders unter Frauen und Jugendlichen, 2) bessere Lungenfunktionsmethoden für die Früherkennung (Prävention) für Menschen mit Atemwegsbeschwerden, insbesondere aber Raucher und Raucherinnen, die älter als 40 Jahre sind, 3) mehr professionelle Hilfe für Raucher, 4) mehr Grundlagen, Versorgungs- und klinische Forschung auf nationaler und internationaler Ebene und 5) mehr strukturierte Kooperation von Ärzten und Selbsthilfen.

Symposium Lunge 2008
Prof. Dr. med. Helmut Teschler
Ruhrlandklinik Chefarzt Abteilung Pneumologie- Universitätsklinik, Essen

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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