Bisherige Besucher: 5566892

Zuletzt angepasst am 05.06.2020

COPD: Erste Symptome? Was tun? Wann zum Pneumologen?

COPD – Die Krankheitsbilder

COPD steht für das angloamerikanische Wort „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ und bezeichnet chronischen Erkrankungen von Bronchien und Lungen, die mit Husten, Auswurf und Luftnot einhergehen. Zwei Krankheitsbilder stehen hierbei im Mittelpunkt, die entweder einzeln oder in Kombination (ca. 40%) beim chronisch Lungenerkrankten auftreten können:
1. die chronisch-obstruktive Bronchitis,
2. das Lungenemphysem.

Chronisch obstruktive Bronchitis

Das klinische Bild der chronischen Bronchitis ist durch kontinuierliche Husten- und Auswurfsymptomatik gekennzeichnet, die im Zeitverlauf immer mehr oder weniger vorhanden ist. Hierbei können die Patienten sowohl eine bronchiale Obstruktion (Verkrampfung und/oder Verlegung der Atemwege) wie auch eine Zerstörung der Lungenbläschen (Alveolen) im Sinne eines Lungenemphysems entwickeln. Primär besteht bei chronischer Bronchitis vermehrte Bildung und  krankhaft veränderte Zusammensetzung des Bronchialsekrets, hinzu kommen (zeitlich meist sekundär) bakterielle Infekte. Häufig erfolgt eine Bahnung durch eine von außen kommende Schädigung der bronchialen Reinigiungsfunktion und der körpereigenen Infektabwehr (z.B. Luftverschmutzung, arbeitsplatzspezifische Schadstoffe, im Besonderen aber chronisches Inhalationsrauchen). Weiter spielen Klimaeinflüsse eine Rolle. Die Rezidivauslösung geschieht häufig durch Virusinfekte („Erkältungen“). Die Erkrankung ist über Jahre langsam fortschreitend; Dyskrinie (zähe Schleimbildung), Entzündung der Bronchialschleimhaut, Schleimhautödem und ein durch unterschiedliche Faktoren verursachte  Bronchokonstriktion (Bronchialverkrampfung) bedingen die zunächst reversible (rückgängig zu machenende),später häufig irreversible (nicht mehr rückgängig zu machende) bronchiale Obstruktion. Die dadurch erhöhte  Atemarbeit erklärt die Luftnot des chronischen Bronchitikers, die zunächst nur unter körperlicher Belastung, in fortgeschrittenen Stadien auch in Ruhe auftritt. Vom Gasaustausch her kommt es zunächst zu einer Sauerstoff (O2)- Erniedrigung durch sog. Verteilungsstörungen. Der funktionelle Endzustand ist die Mangelbelüftung der Lungenbläschen mit zusätzlicher Erhöhung des CO2-Wertes im Blut.

Lungenemphysem

Das Emphysem ist gekennzeichnet durch eine irreversible (nicht mehr rückgängig zu machende) Erweiterung und Zerstörung kleinster Bronchien und Lungenbläschen. Als Ursache kommen sowohl äußere wie auch körpereigene  Faktoren in Betracht: Der mit Abstand wichtigste äußere Risikofaktor bei der Emphysementstehung ist das inhalative Zigarettenrauchen. Dies erklärt das häufige gleichzeitige Auftreten von Emphysem und chronischer Bronchitis. Der  wichtigste körpereige Risikofaktor für die Emphysementstehung ist der angeborene homozygote α1-Proteinaseninhibitor(PI)-Mangel mit einem ZZ-Phänotyp. Das Leitsymptom des Lungenemphysems ist eine zunehmende Belastungsluftnot, die im Gegensatz zum sog. Belastungsasthma unmittelbar nach Beginn der Belastung auftritt. Der Husten ist meistens unproduktiv, also ohne Auswurf. Je nach Ausmaß des Krankheitsbilds entsteht zunächst noch eine Gasaustauschstörung mit leichtgradig erniedrigtem O2-Wert im Blut und gleichzeitig erniedrigten CO2-Wert, der erst mit zunehmender Erschöpfung der Atmungspumpe ansteigt. Mit der Zerstörung des Lungengewebes geht  einher eine Verringerung des Gefäßbettes der Lunge, woraus eine Rechtsherzbelastung mit Cor pulmonale-Entwicklung resultiert. Typisch ist auch eine fortschreitende Abnahme des Körpergewichts.

COPD – Erste Symptome?

Wirkliche Frühsymptome der COPD gibt es nicht. Treten die sog. „AHA“-Symptomen Auswurf (Sputum), Husten und Atemnot auf, liegt meistens schon eine nur bedingt rückgängig zu machende chronische Lungenerkrankung vor. Die  häufig (zu) späte Diagnose einer COPD beruht u.a. darauf, dass die Symptome Husten und Auswurf sowohl von den Patienten wie auch manchen Ärzten bagatellisiert, also nicht ernst genommen werden, und dass das Symptom  Luftnot nicht immer sofort Anlass zu einer Lungenfunktionsprüfung gibt.

COPD – Was tun?

Bestehen Atemnot, Husten und/oder Auswurf nicht nur vorübergehend, muss der Hausarzt aufgesucht werden. Dieser wird im Gespräch (Anamnese) u.a. folgende Fragen stellen:

  • Wie häufig ist der Husten und seit wann besteht er?
  • Welchen Charakter (Reizhusten oder produktiver Husten) hat der Husten?
  • Wie sieht der Auswurf aus?
  • Liegt Atemnot bei Belastung vor oder in Ruhe vor?
  • Wann tritt die Atemnot auf?
  • Ist der Schlaf durch Atemnot, Husten oder Auswurf gestört?
  • Ist der Patient Raucher oder ehemaliger Raucher?
  • Gibt es am Arbeitsplatz Belastung durch Stäube?
  • Wie verschlimmern sich die Symptome im Laufe des Jahres?
  • Sind Allergien bekannt?
  • Welche weiteren Krankheiten sind vorhanden?
  • Welche Medikamente werden genommen?
  • Gibt es einen ungewollten Gewichtsverlust?
  • Gibt es Verwandte mit chronischen Lungenerkrankungen?

Der Hausarzt wird danach eine körperliche Untersuchung sowie eine einfache Lungenfunktionsprüfung in Form einer Spirometrie durchführen. Bei der körperlichen Untersuchung wird u.a. der Klopfschall der Lunge und das Atemgeräusch erfasst.

Diese Befunde können trotz Vorliegen einer COPD unauffällig sein. Es können aber auch schon krankhafte Befunde wie trommelähnlicher Klopfschall bei vermehrtem Luftgehalt der Lunge in Verbindung mit einem leisen Atemgeräusch (typisch für ein Lungenemphysem) oder aber giemende und pfeifende Atemgeräusche (typisch für eine Verkrampfung der Bronchien = Atemwegsobstruktion) erhoben werden.

COPD – Wann zum Pneumologen?

Sollte sich auf Grund der Krankheitsgeschichte, der körperlichen Untersuchung und/oder der Spirometrie der Verdacht auf eine COPD erhärten, so ist es sinnvoll, dass eine Überweisung zum Pneumologen erfolgt. Es sei denn, der Hausarzt hat auf Grund einer speziellen Weiterbildung ausreichende Erfahrung in der Diagnostik und Therapie von chronischen Lungenerkrankungen und ist in seiner Praxis auch enstprechend technisch ausgestattet. Die Regel wird aber eine weiterführende Untersuchung durch den Pneumologen sein.

Der Pneumologe wird wird bei der Erstunterschung zusätzlich zur Spirmetrie eine sog. Bodyplethysmographie zur Messung von Atemwegswiderstand und Lungenvolumen, sowie eine Blutgasanalyse zur Messung des Sauerstoff- und  Kohlendioxiddrucks im Blut veranlassen. Ergänzt wird diese Untersuchung durch Messung der sog. Diffusionskapazität, die sehr wichtig in der Emphsemdiagnostik ist. Ergänzt werden diese Untersuchungen bei Bedarf durch einen  Allergietest, spezielle Laboruntersuchungen sowie ggf. weiterführende Röntgendiagnostik.

Eine wichtige Aufgabe des Pneumologen ist u.a. die Abgrenzung der COPD zu einem Asthma bronchiale, weil sich hieraus andere Therapiekonsequenzen ergeben können. Auch wird der Pneumologe die erforderliche medikamentöse  Therapie festlegen, die dann vom Hausarzt weitergeführt werden kann. Von größter Bedeutung ist die optimale Zusammenarbeit zwischen dem Hausarzt und dem Pneumologen, da die COPD eine chronische Erkrankung ist, deren  Verlauf sowohl vom Hausarzt wie auch vom Pneumologen beeinflusst werden kann.

Quelle: Vortrag von Prof. Dr. Kurt Rasche HELIOS Klinikum Wuppertal - Klinikum der Universität Witten/Herdecke Bergisches Lungenzentrum - Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, auf dem 8. Symposium Lunge am Samstag, den 12. September 2015 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW)

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
Der Abdruck bzw. die Weiterverwertung dieses Artikels oder Teilen daraus in Print/Onlinemedien bedürfen der vorherigen schriftlichen Genehmigung der Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland und sind nur mit der oben genannten Quellangabe gestattet.