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Zuletzt angepasst am 27.02.2021

Wege zur Transplantation und die medikamentöse Behandlung danach

Die Lungentransplantation ist die letzte Therapieoption für Patienten mit chronisch respiratorischer Insuffizienz infolge verschiedener Lungenerkrankungen (COPD, Lungenfibrose verschiedener Genese, Mukoviszidose, pulmonale Hypertonie). Es ist jedoch auch mehr als 30 Jahre nach Einführung ein komplikationsträchtiges Verfahren mit einer erheblichen perioperativen Morbidität und Letalität und einer nennenswerten Komplikationsrate nach Transplantation.

Auch wenn nach erfolgter Lungentransplantation in der Regel mit einer Verbesserung der Leistungsfähigkeit und damit der Lebensqualität zu rechnen ist, bleiben transplantierte Patienten lebenslang auf eine engmaschige ärztliche Überwachung angewiesen und müssen zur Vermeidung von Komplikationen Einschränkungen im Lebensalltag hinnehmen.

Wesentlicher Faktor für ein gutes Transplantationsergebnis ist eine sorgfältige Evaluation von Transplantationskandidaten. Grundsätzlich steigt das Risiko bei Transplantationen mit dem Alter der Patienten, vor allem ab dem 60. Lebensjahr steigt es exponentiell an. Patienten mit über 60 Jahren werden deshalb nur in Ausnahmefällen zur Transplantation akzeptiert. Begleiterkrankungen jeder Art erhöhen das Risiko für Komplikationen unter und nach der Transplantation. Besonders zu nennen sind hier chronische Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen, eine ausgeprägte Divertikulose, eine Tumorerkrankung in den letzten 5 Jahren, eine schwere Osteoporose sowie ein deutliches Über- oder Untergewicht. Die Mobilität und der muskuläre Status vor Transplantation spielen für das Transplantationsergebnis eine wesentliche Rolle. Bettlägerige, nicht mobile, muskulär dekonditionierte Patienten sind schlechte Transplantationskandidaten.

Ein wesentlicher den Transplantationserfolg bestimmender Faktor ist die Unterstützung des Patienten durch seine Angehörigen. Die psychosoziale Belastung einer Transplantation ist hoch, nach der Transplantation muss eine Vielzahl an Medikamenten eingenommen werden, um Komplikationen zu vermeiden. Der Therapiecompliance des Patienten kommt daher eine wesentliche Bedeutung zu. Ein stabiles intaktes Lebensumfeld spielt daher bei der Indikation zur Transplantation eine wesentliche Rolle.

Für Patienten, die schnell in einen lebensbedohlichen Zustand geraten, sind durch die für die Organvergabe in Deutschland verantwortliche EUROTRANSPLANT Stiftung Möglichkeiten zu einer bevorzugten Organbereitstellung eingerichtet worden. Ende 2011 wurde das sogenannte Auditorverfahren, bei dem drei internationale Gutachter über eine Höherstufung entschieden, vom – in USA bereits seit Jahren maßgeblichen – Lung Allocation Score (LAS) abgelöst. Die Organzuteilung erfolgt jetzt nach einem Punktesystem. Wesentliches Kriterium für die Punktevergabe ist der durch die Transplantation zu erwartende Vorteil an Lebenserwartung.

Akute und chronische Organabstoßung, Infektion, Atemwegsstenosen und die Verschlechterung von Ko-Morbiditäten (vor allem die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz) stellen wesentliche Komplikationen nach der Lungentransplantation dar. Zur Vermeidung dieser Komplikationen muss eine Vielzahl an Medikamenten regelmäßig eingenommen werden. Dazu gehören in der Regel drei verschiedene Immunsuppressiva, Medikamente zur Prophylaxe verschiedener Infektionen (Aspergillus, Pneumocystis) sowie Medikamente zur Vermeidung von über die Lunge hinausgehenden Medikamenten (z.B. Antihypertensiva, Diabetika, etc.). Regelmäßige Kontrollen der Lungenfunktion zu Hause mit dafür geeigneten Geräten  und der Spiegel der Immunsuppressiva sind notwendig. Bei Verschlechterungen der Heimlungenfunktion sollte ein sofortiger Kontakt zum Transplantationszentrum erfolgen, um die Ursache frühzeitig abklären und behandeln zu lassen.

Zusammenfassend stellt die Lungentransplantation in erfahrenen Zentren ein Verfahren da, das zu einer Verlängerung der Lebenserwartung und einer Verbesserung der Lebensqualität beiträgt. Eine vernünftige Auswahl der Transplantationskandidaten und eine engmaschige Überwachung des Patienten nach Transplantation sind ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Transplantation.

Quelle:
Prof. Dr. Tobias Welte
Klinik für Pneumologie, Medizinische Hochschule Hannover

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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