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Zuletzt angepasst am 26.10.2021

Neue Erkenntnisse zur Bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion

Mit welchen operativen Verfahren sich überblähte Bereiche der Lunge von Patienten mit Lungenemphysem potenziell reduzieren lassen, wird Prof. Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin an der Thoraxklinik der Universität Heidelberg, auf dem 8. Symposium Lunge am 12. September 2015 näher erläutern.

Bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrtausends kamen überlegungen zum Tragen, die Situation von Patienten mit einem Lungenemphysem, die eine ungleichmäßige (inhomogene) Verteilung der überblähten Lungenbereiche aufweisen, durch ein operatives Entfernen der am meisten überblähten Areale zu verbessern. Ziel ist es, die Instabilität der Atemwege und die Überblähung durch eine Verkleinerung der Lunge (Lungenvolumenreduktion) zu optimieren. Die Rückstellkräfte der Lunge sollten dadurch verbessert werden und auch eine Verbesserung der Atemmechanik kann ermöglicht werden, was zu einer längeren Belastbarkeit der Patienten führt.

Anfängliche chirurgische Versuche zeigten nur kurzfristige Effekte, da die postoperativen Probleme den Effekt überwogen. Durch Weiterentwicklung hat sich das Prinzip der chirurgischen Verkleinerung jedoch etabliert und wird heutzutage bei ganzen speziellen Emphysemtypen erfolgreich angewandt.

Als alternatives Verfahren für die chirurgische Volumenreduktion hat sich in den vergangenen Jahren die endoskopische Lungenvolumenreduktion (ELVR) entwickelt. Heutzutage werden zwei unterschiedliche Therapieprinzipien angewandt: Zum einen die blockierenden Verfahren mittels Einwegventilen, zum anderen die nicht-blockierenden irreversiblen Verfahren mittels Spiralen oder Wasserdampfapplikation. Diese Verfahren werden Patienten angeboten, die in der Ganzkörper-Lungenfunktionsprüfung (Bodyplethysmographie) eine Überblähung (Residualvolumen) von über 200% aufweisen und ein inhomogenes Lungenemphysem im durchgeführten HR-CT zeigen.

Für Patienten mit einer geringeren Überblähung werden diese Verfahren derzeit hingegen nicht angeboten. Bei Patienten mit homogener Verteilung des Lungenemphysems werden einzelne Verfahren in kontrollierten Studien derzeit noch überprüft. Geändert hat sich zwischenzeitlich aber die Situation bei Alpha-1-Antitrypsin verursachtem Emphysem: War dies ursprünglich ein Ausschlusskriterium, gilt auch dieser Typ des Emphysems heutzutage als behandelbar mittels der ELVR mit Ventilen. Demgegenüber wird die bronchoskopische Thermoablation mittels Wasserdampf bislang ausschließlich bei heterogenem oberlappenbetonten Emphysem angewandt.

Patienten mit fortgeschrittenem Emphysem können heutzutage also entweder eine chirurgische Volumenreduktion oder endoskopische Verfahren angeboten werden. Ziel ist es, künftig für jeden Patienten anhand seines im CT festgestellten Phänotyps zu entscheiden, welches Verfahren am ehesten zu einer Verbesserung führt.

Bei allem Wissen, was derzeit vorliegt, zeigt sich klar, dass eine solche Patientenselektion der entscheidende Faktor für den definitiven Erfolg darstellt. Insofern sollten Patienten für diese Verfahren nach interdisziplinärer Entscheidung (durch Thoraxchirurg, Pneumologe, Radiologe) und nur in Studien oder Registern behandelt werden.

Quelle: Vortrag von Prof. Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin an der Thoraxklinik der Universität Heidelberg, auf dem 8. Symposium Lunge am Samstag, den 12. September 2015 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW)

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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