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Zuletzt angepasst am 02.08.2020

Diagnostische Verfahren zur Erkennung und Abgrenzung von Lungenerkrankungen

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, bekannt unter der Abkürzung COPD („chronic obstructive pulmonary disease“), ist eine chronische Erkrankung der Atemwege und der Lunge. Im Vordergrund steht hierbei eine Verengung der  Atemwege. Diese Verengung führt zu Beschwerden. Insbesondere leiden die Patienten unter Atemnot, sowohl in Ruhe als auch unter Belastung.

Die Beschwerden treten aber nicht nur speziell bei der COPD auf, sondern sind auch Leitsymptom bei vielen anderen Erkrankungen der Lunge sowie des Herzens. Spezielle Untersuchungen helfen dabei zu unterscheiden, um welche  Erkrankung es sich handelt und welche Therapiemaßnahmen für die Behandlung notwendig sind.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Medizin erheblich weiterentwickelt und es stehen immer mehr technische Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie zur Verfügung. Hierbei gilt das Arzt-Patienten-Gespräch nach wie vor als  wichtigster Bestandteil in der Erkennung von Erkrankungen. Dies umfasst das sorgfältige Erfragen von Beschwerden und die genaue Dokumentation der Krankheitsgeschichte des Patienten.

Wichtig dabei ist, dass die behandelnden Ärzte sich genügend Zeit für den ersten Arzt-Patienten-Kontakt nehmen. Allein durch eine sorgfältige Befragung und anschließende Untersuchung wird häufig schon frühzeitig ein Verdacht  geäußert, welcher durch weitere gezielte Untersuchungen bestätigt werden kann.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil in der Diagnostik ist die Messung der Lungenfunktion, wobei man hier zwei unterschiedliche Messverfahren anwendet. Zum einen gibt es die „einfache“ Lungenfunktion, ein leicht durchführbarer Test. Mit  Hilfe dieser schnellen Messung kann die Menge an Luft gemessen werden, die maximal ein- und ausgeatmet wird. Zusätzlich wird die Menge an Luft gemessen, die bei maximaler Anstrengung in 1 Sekunde ausgeatmet wird (abgekürzt FEV1-Wert). Diese Messgröße gibt einen Hinweis, ob die Funktion der Lunge beeinträchtigt ist. Dabei unterscheidet man zwischen einer Verengung der Atemwege (Obstruktion) oder einer Verkleinerung des Lungenvolumens (Restriktion).

Ohne den Nachweis einer Obstruktion sollte die Diagnose einer COPD nicht gestellt werden. Eine Obstruktion kann aber auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, wie z.B. dem Asthma bronchiale auftreten. Zusätzlich hilft  die Messung der Lungenfunktion, den Verlauf der Erkrankung zu erfassen und die Effektivität von medikamentösen Behandlungen zu überprüfen.

Zum anderen gibt es daneben noch die etwas aufwendigere Lungenfunktion, die sogenannte Bodyplethysmographie, welche in einer Messkabine durchgeführt wird. Diese Messung erfasst neben der Verengung der Atemwege auch die  Menge an Luft, die nach kompletter Ausatmung in der Lunge verbleibt.

Bei Patienten mit COPD ist eine Zunahme dieser Luftmenge zu beobachten, sie leiden dann an einer Überblähung der Lunge. Gerade bei einer ausgedehnten Zerstörung des Lungengewebes im Rahmen eines Emphysems nimmt die  Überblähung erheblich zu.

Eine weitere Methode, ist die Messung der Sauerstoffaufnahmefähigkeit der Lunge. Dies funktioniert folgendermaßen: Wenn Luft in die Lungenbläschen aufgenommen wird, gelangt der Sauerstoff durch die Wand der Lungenbläschen  in die Blutbahn (Diffusion). Dieser Test kann bei der Lungenfunktionsprüfung mitbestimmt werden und wird als Diffusionskapazität beschrieben. Die Patienten bekommen ein Gasgemisch zum Inhalieren, welches sie einatmen, für ca. 8 - 10 Sekunden die Luft anhalten, um dann wieder tief auszuatmen.

Solch eine Messung der verschiedenen Gase in der Ausatemluft, gibt uns einen Aufschluss darüber, wie gut die Lunge in der Lage ist, eingeatmeten Sauerstoff aufzunehmen. Insbesondere bei der COPD kommt es zu einer Zerstörung des Lungengewebes, die zur Folge hat, dass es zu einer Verminderung der Anzahl von Lungenbläschen kommt, in denen die Sauerstoffaufnahme erfolgt. Daher ist bei Patienten mit COPD die Diffusionskapazität häufig vermindert.

Ein weiterer wichtiger Schritt zur richtigen Diagnosestellung sind die bildgebenden Verfahren. Da gibt es als einfachste Methode die normale Röntgenaufnahme. Anhand dieser Röntgenaufnahme ist eine grobe Beurteilung der Lunge,  des Rippenfells und des Herzes möglich.

Deutlich genauer aber auch aufwendiger, ist die Durchführung einer Röntgen-Schichtuntersuchung, auch Computertomographie (CT) genannt. Die CTUntersuchung erlaubt eine deutlich detailliertere Darstellung der Lunge und kann  insbesondere eine mögliche Zerstörung des Lungengewebes sichtbar machen und helfen mögliche Ausweitungen der Atemwege zu erkennen.

Bei Patienten mit Erkrankungen der Lunge sollte auch eine Überprüfung des Sauerstoffgehaltes im Blut erfolgen. Eine einfache und schnelle Möglichkeit ist dabei die Messung der Sauerstoffsättigung am Finger.

Anhand dieser Methode lässt sich die Menge an Sauerstoff, welche an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) gebunden ist, messen. Für die Messung des im Blut gelösten Sauerstoffs benötigt man ein paar Tropfen arterielles Blut,  entweder direkt aus einer Arterie oder aus dem Ohrläppchen. Arterielles Blut ist deshalb so wichtig, weil es sauerstoffhaltig ist und direkt vom Herzen in den Kreislauf gepumpt wird.

Diese Messung nennt man Blutgasanalyse. Des Weiteren kann man in diesem Zusammenhang auch den Sauerstoffpartialdruck messen. Dieser Messwert gibt dem Arzt die Auskunft darüber, ob eine Versorgung mit einer  Langzeitsauerstofftherapie notwendig ist.

Ein zweiter wichtiger Parameter ist der Kohlendioxidpartialdruck im Blut. Dieser Wert ist besonders bei Patienten erhöht, bei denen es zu einem Versagen der Atemmuskulatur kommt. Ein deutlich erhöhter Kohlendioxidpartialdruck ist  abei ein Hinweis, dass bei dem Patienten eine Beatmungstherapie notwendig ist und eingeleitet werden muss.

Zum Schluss ist noch erwähnen, dass man in den letzten Jahren auch vermehrt bei Patienten mit COPD die körperliche Belastbarkeit beobachtet hat und sich herausgestellt, dass es sinnvoll ist, diese in regelmäßigen Abständen zu  kontrollieren. Dazu gehört unter anderem der 6–Minuten-Gehtest oder der Belastungstest auf dem Fahrrad. Diese Methoden erfassen die Belastungsfähigkeit der Patienten, ob eine erschwerte Atmung unter Belastung auftritt als  hinweisendes Kriterium auf die Erkrankung. Als neuere Methoden werden zunehmend auch Methoden eingesetzt, welche die Aktivität der Patienten im täglichen Leben messen. Diese Messungen geben einen besseren Einblick in die  tägliche Aktivität der Patienten und spiegeln exakter die tägliche Praxis wieder.

In der heutigen Zeit stehen dem Arzt verschiedene Möglichkeiten an diagnostischen Tests zur Verfügung. Zentral ist das ärztliche Gespräch und die Anamnese als eines der wichtigsten Mittel in der Diagnostik. Messung der  Lungenfunktion, Bildgebung, Blutgasanalyse und Belastungstest sind weitere Methoden, die den Arzt bei der Diagnosestellung und bei der Behandlung der Patienten unterstützten.

Quelle: Prof Dr. med. Christian Taube

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