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Zuletzt angepasst am 02.08.2020

Viren, Bakterien oder Pilze? Diagnostik und mögliche Therapieoptionen

Durch Atemwegsinfekte kommt es bei COPD Patienten zu einer plötzlichen Verschlechterung der Lungenfunktion und der Krankheitssymptome. Derartige krisenhafte Krankheitsschübe nennt man Exazerbationen und versteht darunter eine akute, über das normale Maß der täglichen Schwankungen hinausgehende Zunahme von Atemnot, Husten und Auswurf, die eine Änderung der regelmäßigenMedikation erfordert.

Für COPD Patienten stellen akute Exazerbationen eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung dar und sind mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Mittelschwere Krisen bedürfen der Krankenhausbehandlung und sehr schwere Exazerbationen sogar der Intensivtherapie. Nach Abklingen der akuten Exazerbation erreichen viele Patienten häufig nicht wieder ihren ursprünglichen Gesundheitszustand. Etwa die Hälfte der akuten COPD Exazerbationen - nach Einschätzung einiger Experten auch mehr - ist infektionsbedingt, zumeist sind es virale Infektionen.

Erfolgreiche Behandlungsstrategien sind die antibiotische Behandlung bei Infekten durch Bakterien, die Impfung bei Virusinfekten und moderne Pilzmittel bei Pilzinfektionen. Es kommt darauf an die Ursache von Infektionen zu erkennen und Vorsorge zu treffen. Infekte mit Viren und Bakterien oder Pilzen kommen oft gemeinsam vor, das eine schließt also das andere nicht aus.

Erfolgreiche Behandlungsstrategien sind die antibiotische Behandlung bei Infekten durch Bakterien, die Impfung bei Virusinfekten und moderne Pilzmittel bei Pilzinfektionen. Es kommt darauf an die Ursache von Infektionen zu erkennen und Vorsorge zu treffen. Infekte mit Viren und Bakterien oder Pilzen kommen oft gemeinsam vor, das eine schließt also das andere nicht aus.

Viren und die Lunge

Viruserkrankungen der Atemwege sind derart häufig, dass eine Ansteckung schwer zu vermeiden ist. Infizierte Patienten verbreiten die Erreger durch Nießen und Husten über die Luft. Besonders in der kalten Jahreszeit steigt die Infektionsrate an, manchmal explosionsartig als Epidemie. Im Gegensatz zu Bakterien sind Viren nicht alleine lebensfähig sondern befallen vorhandene Zellen, in denen sie sich vermehren. Es ist daher vergleichsweise schwierig Medikamente gegen Viren zu entwickeln. Am erfolgreichsten sind Impfungen, die das Immunsystem gegen den jeweiligen Virustyp „scharf“ machen. Dadurch kommt es bei Kontakt mit dem Virus zu einer Immunreaktion, die die Krankheit verhindert, bevor sich das Virus in seiner Wirtszelle festsetzen kann.

Viren sind meist Wegbereiter bakterieller Infektionen, da sie befallene Wirtszellen zerstören und damit den Weg für Bakterien freimachen. Auf den Virusinfekt folgt dann der bakterielle Infekt. Auch für Asthmatiker sind Virusinfekte problematisch, da sie durch die Entzündung der Atemwege Asthmaanfälle provozieren können.

Grippeviren

Grippeviren treten alljährlich als Grippeepidemien in Erscheinung – in wechselnder Ausprägung. Das Robert- Koch Institut überwacht die Lage in Deutschland und ist für den Schutz der Bevölkerung vor ansteckenden Krankheiten zuständig. Die ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung für alle Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen.

Grippe kann heutzutage durch einen Schnelltest diagnostiziert werden. Dazu wird ein steriler Wattetupfer in die Nase geschoben. Danach wird der Wattetupfer in ein kleines Probenröhrchen geschoben und in einer Testflüssigkeit geschwenkt, welche die Erreger aus dem Tupfer löst. Das Ergebnis kann nach einigen Minuten im Testfenster abgelesen werden. Bei einer frischen Grippeinfektion kann die Ausbreitung der Erreger durch ein Medikament in Tablettenform (Tamiflu®) oder als Pulverinhalation (Relenza ®) verhindert werden. Durch die Medikamente verkürzte sich die Zeit bis zur spürbaren Besserung der Symptome in Studien um durchschnittlich 16,7 Stunden, von sieben auf 6,3 Tage. Bei Kindern lag der Unterschied bei immerhin 29 Stunden. Diese Ergebnisse sind eher enttäuschend.

Allgemeine Maßnahmen

Gegen Viruserkrankungen der Atemwege helfen am besten Impfungen und allgemeine Hygienemaßnahmen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Zudem kann das Immunsystem durch gesundheitsbewusstes Verhalten (Sauna,  Wechselduschen, Bewegung im Freien, adäquate Kleidung) gestärkt werden. Inwieweit Nahrungsergänzungsmittel (Vitamin C, Selen) oder die Einnahme von Aspirin zur Infektvermeidung beitragen, ist strittig.

Bakterien und die Lunge

Für Patienten mit Atemwegserkrankungen spielen die klassischen Erreger der Lungenentzündung nach wie vor die Hauptrolle. Streptococcus pneumoniae ist der häufigste bakterielle Auslöser für eine Lungenentzündung. Zwar ist nur eine kleine Gruppe von Patienten von sogenannten Problemkeimen betroffen, jedoch nehmen die bakteriellen Infektionen mit Krankenhauskeimen zu.

Die Diagnostik der Erreger erfolgt in erster Linie über die Untersuchung von Sputum. Für die Beurteilung ist jedoch die Zeit zwischen dem Abhusten des Schleims und der Untersuchung im Labor wesentlich. Sie sollte drei Stunden  nicht überschreiten. Wenn die Sputumprobe länger gelagert wird, wuchern Bakterien, die für die Krankheit nicht verantwortlich sind und verdrängen die Krankheitskeime, die dann nicht mehr erkannt werden. Im Blut lassen sich  Entzündungsmarker bestimmen, eine Lungenentzündung kann man im Röntgenbild erkennen. Klinisch sieht der Auswurf gelb oder grünlich aus und es kann Fieber auftreten.

Die Behandlung mit Antibiotika ist für bakterielle Infektionen die wesentliche Maßnahme. Kortison wird zur Abschwellung der Bronchialschleimhaut und somit Linderung der Atemnot bei COPD eingesetzt und sollte 5 Tage nicht  überschreiten. In einzelnen Fällen kann eine Dauerantibiose über 6 Monate mit Azithromycin verordnet werden um häufige bakterielle Infekte zu vermeiden.

Pilze und die Lunge

Pilze sind äußert erfolgreiche Lebewesen, die die ganze Welt besiedeln – von der Antarktis bis zur Wüste Gobi konnten Pilze nachgewiesen werden. Nur wenige Pilze sind jedoch in der Lage im menschlichen Körper Schaden  anzurichten. Für gesunde Menschen sind Pilzsporen in der Regel harmlos. Ein Nachweis von Pilzsporen in den Atemwegen bedeutet deshalb noch lange nicht, dass eine Pilzinfektion vorliegt. Pilze im Darm und auf der Haut gehören sogar zur normalen Keimbesiedlung. Es gibt jedoch Erkrankungen, die das Eindringen von Pilzen - und damit eine Pilzinfektion - erst ermöglichen. Dazu gehören Krankheiten, die das Immunsystem schwächen wie z.B. Krebs, HIV  oder angeborene Immundefekte. Auch Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, wie die Cystische Fibrose (Mukoviszidose) oder Tuberkulose leiden unter Pilzinfektionen, weil der zähflüssige Schleim in ihren Bronchien nur  schwer abtransportiert werden kann und daher einen guten Nährboden für Krankheitserreger darstellt oder eine Höhle im Lungengewebe entsteht in der ein Pilzball wachsen kann.

Eine wichtige Rolle für die Entstehung von Pilzerkrankungen spielen auch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken – wie z.B. Kortison.

Begünstigende Faktoren für Pilzinfektionen:

Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Blutkrebs (z.B. Leukämien, Lymphome), fortgeschrittene Tumore, Knochenmarkstransplantation bzw. Organtransplantation, Immundefekte, HIV-Infektion, AIDS, langfristige Therapie mit Antibiotika,  Chemotherapien, langfristige (immunsuppresive) Therapie mit Glukokortikoiden.

Die gute Nachricht ist „Pilze werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen“.

Hefepilze (Candida)

Pilze der Gattung Candida gehören zu den Hefepilzen und sind auch bei einem Teil der Gesunden in Magendarmtrakt, dem Rachen und der Scheide nachweisbar. Diese Pilze können auf bestimmten Oberflächen – unter anderem der  Mundschleimhaut und der Speiseröhre - gut wachsen; führen aber in den Bronchien normalerweise nicht zu Infektionen. Die Infektion mit Candida im Mund (medizinischer Name: Soor) ist eine sehr häufige Komplikation der Behandlung mit Kortison, besonders wenn Kortison in Sprays oder Pulverinhalatoren enthalten ist. Deshalb sollten Patienten, die diese Medikamente inhalieren nach der Inhalation den Mund ausspülen.

Schimmelpilze (Aspergillen)

Schimmelpilze (Aspergillen) sind weitverbreitet in Gebäuden und im Freien auf herabfallenden Blättern, Kompost und Pflanzen. Im Haus verbreiten sich Schimmelpilze über Lüftungsanlagen, sitzen an Heizungen, hinter Möbeln an der  Wand und finden sich auch in Nahrungsmitteln und Gewürzen. Die meisten Stämme des Pilzes sind harmlos. Einige wenige, besonders Aspergillus fumigatus, können ernsthafte Krankheiten hervorrufen. Bei manchen Menschen (z.B.  Asthmatikern, Patienten mit cystischer Fibrose) löst der Schimmelpilz eine allergische Reaktion aus. Andere entwickeln eine milde oder ernsthafte Lungeninfektion. Die gefährlichste Form der invasiven Aspergillose greift auf die  Blutgefäße über und kann über den Blutstrom in andere Organe verschleppt werden.

Die Symptome einer Infektion mit Aspergillus sind Fieber und Schüttelfrost, Husten mit Auswurf und Blutungen in der Lunge. Daneben kann es zu Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Nasenbluten oder einseitiger Gesichtsschwellung kommen.

Die Behandlung ist dank moderner Pilzmittel heutzutage meist erfolgreich, wenn die Infektion früh genug erkannt wird.

Quelle: Vortrag von Prof. Dr. Susanne Lang Chefärztin Medizinische Klinik II am SRH Wald-Klinikum Gera, auf dem 9. Symposium Lunge am Samstag, den 10. September 2016 von 9:00-17:00 Uhr in Hattingen (NRW)

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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