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Symposium Lunge 2015: Nachbetrachtung
Am Samstag, den 01. September 2018 wird von 9:00 - 17:00 Uhr in Hattingen/NRW im LWL Industriemuseum das 11. Symposium-Lunge stattfinden. Alle weiteren Informationen zu unserem Jahreskongress entnehmen Sie bitte den Kongresswebseiten auf unserer Homepage

Filmbeitrag, Fotostrecke und Nachbetrachtung - Symposium-Lunge 2017

 

Nachbetrachtung 8. Symposium - Lunge 2015


Es war gut, dass ich dabei war

...diesen Eindruck nach der Veranstaltung zu haben, wünschte Heike Lingemann, Organisatorin des Symposium Lunge, den mehr als 2.600 Gästen bereits bei der Begrüßungsansprache. Dieser Wunsch und noch so viel mehr wurden auch beim bereits 8. Symposium am 12. September 2015 in der Gebläsehalle der Henrichshütte wieder erfüllt.

Vor einem halben Jahr hat Luise Waller aus Bochum die Diagnose COPD erhalten. „Mein Arzt hat sich zwar sehr bemüht, zu erläutern, was sich hinter diesen vier Buchstaben verbirgt. Doch in der kurzen Zeit des Gespräches sind bei mir viele Fragen offen geblieben“, schildert Luise Waller in Hattingen während des 8. Symposium Lunge. „Ich bin froh, dass ich von ihm den Tipp erhalten habe, das Symposium Lunge in Hattingen zu besuchen. Hier konnte ich durch die vielfältigen Angebote und Vorträge Hintergrundinformationen erfahren. Auch ist mir klar geworden, dass ich selbst eine Menge dazu beitragen kann, die Situation meiner chronischen Erkrankung zu verbessern.“

„Mir wurde vor kurzem erst eine Langzeit-Sauerstofftherapie verordnet, was für mich noch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Während der Veranstaltung hatte ich die Möglichkeit mich mit vielen anderen Sauerstoff-Patienten zu unterhalten. Zu erleben, dass andere Betroffene mit dieser Therapie optimal zurechtkommen, hat mir Mut gemacht“, berichtete Walter Eberhard aus Witten.

„Ich hatte so viele Fragen: Zur Therapie, zu Alltagsproblemen und zu den Möglichkeiten einer Rehabilitation. Alle Fragen konnte ich stellen - an andere Betroffene, an Ärzte und an Mitarbeiter von Kliniken und habe kompetente Antworten erhalten. Das Symposium Lunge hilft mir, meine Erkrankung besser zu verstehen“, resümierte Elli Wagner aus Frankfurt.

Initiator des Symposiums ist Jens Lingemann, der ebenfalls Gründer und Koordinator der Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland ist sowie Vorsitzender der COPD - Deutschland e.V. Jens Lingemann ist selbst von der Erkrankung betroffen und hat nach der eigenen Diagnosestellung vor 15 Jahren die Initiative ergriffen, Informationen und Plattformen für Patienten zu entwickeln.

Zusammen mit seiner Frau Heike organisiert Jens Lingemann das jährlich stattfindende Symposium Lunge in Hattingen.

Der Bedarf an kompetenten Informationen ist groß, was auch die jährlich steigenden Besucherzahlen dokumentieren. COPD und Lungenemphysem sind chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen. Atemnot, Husten und Auswurf sind die ersten Symptome. Trotz hoher Erkrankungszahlen ist in der Bevölkerung das Krankheitsbild zu wenig bekannt. Bei einer COPD handelt es sich um eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die sehr komplex ist. Therapeutische Maßnahmen sowie ein aktiver Umgang mit der Erkrankung und Änderungen des Lebensstils können jedoch erheblich dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Das Symposium Lunge ist mit seiner Vielfalt an Angeboten einzigartig in Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus.


Zugewinn von Lebensjahren durch Rauchstopp
Vortrag: Differenzierung von Asthma, COPD, Lungenemphysem und Lungenfibrose
Professor Dr. Helmut Teschler, Essen

COPD ist eine Volkskrankheit, d.h. sie zählt zu den häufig auftretenden Erkrankungen. Das Risiko an einer COPD zu erkranken, steht auch in Abhängigkeit des Alters, formulierte Professor Teschler in seinem Vortrag. Je älter eine Gesellschaft wird, desto mehr Menschen erkranken an einer COPD.

Die aktuelle Definition der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD (modifiziert nach www.goldcopd.org 2014) lautet:
COPD ist eine häufige, vermeidbare und behandelbare Erkrankung, die charakterisiert ist durch eine dauerhafte Verengung der Atemwege. Eine COPD verläuft gewöhnlich progressiv d.h. fortschreitend und steht in Verbindung mit einer verstärkten chronischen Entzündung in den Atemwegen und der Lunge, hervorgerufen durch Einwirkung schädlicher Partikel oder Gase. Akute Verschlechterungen (Exazerbationen) und Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) tragen zur Schwere der Erkrankung individueller Patienten bei.

Um die entsprechend notwendige Behandlung einzuleiten, ist es wichtig, eine klare Differenzierung der COPD, aber auch anderer möglicher Lungenerkrankungen wie z.B. dem Asthma bronchiale und der Lungenfibrose vorzunehmen.

Bei einer COPD finden sich zwei unterschiedliche Ausprägungen:
• Die chronisch obstruktive Bronchitis, die mit verengten und chronisch entzündeten Bronchien einhergeht.
• Das Lungenemphysem, dass mit einer Zerstörung der Lungenbläschen(Alveolen) einhergeht und somit zu unterschiedlich großen luftgefüllten Blasen in der Lunge führt.

Chronische Bronchitis und Lungenemphysem können zusammen in verschiedenen Ausprägungen auftreten, die Übergänge sind dabei fliegend. Die Behandlung der COPD ist abhängig von der jeweiligen Ausprägung. Wichtig zu wissen ist, dass die Medikamente insbesondere die Symptomatik der Erkrankung verbessern und den Verlauf beeinflussen können, nicht jedoch die Erkrankung heilen.

Als wichtigste therapeutische Maßnahme bei einer COPD verdeutlichte Professor Teschler, sei der Rauchstopp. Ein Rauchstopp ermöglicht einen Zugewinn an Lebensjahren, konnte eine Studie (P. Jha, New England Journal of Medicine 2013) eindeutig nachweisen. Wird ein dauerhafter Rauchstopp im Alter zwischen 45 und 54 durchgeführt, erwies sich dies als Lebenszugewinn von 6 Jahren. Wird der Rauchstopp bereits im Alter von 35 bis 44 Jahren
durchgeführt, konnte ein Lebenszugewinn von 9 Jahre dokumentiert werden.


Risikofaktoren kennen und Symptome ernst nehmen
Vortrag: COPD: Erste Symptome? Was tun? Wann zum Pneumologen?
Professor Dr. Kurt Rasche, Wuppertal

COPD wird meistens erst diagnostiziert, wenn die Erkrankung sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Um das Fortschreiten der Erkrankung jedoch möglichst effektiv zu verlangsamen, ist eine frühe Diagnostik wichtig.

Erste Symptome der COPD wie Husten und Atemnot unter Belastung werden oft falsch eingeschätzt und bagatellisiert. Die richtige Konsequenz, nämlich die Durchführung einer Lungenfunktionsprüfung, erfolgt nicht, schildert Professor Dr. Kurt Rasche. Nur ca. 60 % der Menschen / Patienten mit chronischen Symptomen der Atemwege und der Lunge konsultieren ihren Hausarzt. Von diesen erhalten nur ca. 45 % eine Lungenfunktionsprüfung. Insbesondere Raucher neigen dazu, Atemwegs-Symptome zu bagatellisieren und eine Vorstellung beim Hausarzt zu vermeiden.

Professor Rasche fordert daher mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Risikofaktoren einer COPD, nur so könne Frühdiagnostik forciert werden.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer COPD:
• Körpereigene Faktoren - Genetische Veranlagung (z.B. Alpha-1-Antitrypsin-Mangel)
• Bronchiale Überempfindlichkeit
• Alter (höheres Alter) und Geschlecht (Frauen sind empfindlicher gegenüber Tabak / Stäuben)
• Störungen des Lungenwachstums
• Erworbene Faktoren - Inhalativer Tabakkonsum
• Berufsbedingte Stäube und Gase
• Allg. Luftverschmutzung und Lebenssituation
• Häufige Atemwegsinfektionen in der Kindheit

Empfehlenswert für einen ersten Hinweis auf ein bestehendes Risiko ist auch der Risikofragebogen des Bundesverbandes der Pneumologen (BdP) - siehe www.pneumogenverband.de und die Publikation zur Früherkennung in der Patientenzeitschrift COPD in Deutschland, Ausgabe IV im Dezember 2015. Beachten Sie, dass ein Fragebogen die ärztliche Untersuchung nicht ersetzen kann.


Das wichtigste ist und bleibt: das Gespräch, die Anamnese und die körperliche Untersuchung
Vortrag: Diagnostische Möglichkeiten: Lungenfunktionsmessung (LUFU), Blutgasanalyse (BGA) wichtig! mit und ohne Belastung, verschiedene bildgebende Verfahren
Dr. Thomas Voshaar, Moers

Auch wenn die Möglichkeiten der gerätetechnischen Diagnostik bei Lungen- und Atemwegserkrankungen ausgezeichnet sind, so betonte Dr. Thomas Voshaar in seinem Vortrag dennoch besonders, dass das Gespräch mit dem Patienten, dessen gesundheitliche Vorgeschichte und ebenso die körperliche Untersuchung die wichtigsten Elemente einer eingehenden Untersuchung bedeuten.

Zu den Basisuntersuchungen gehören:
• Spirometrie und Bodyplethysmographie (Kabine)
• CO-Diffusionsmessung
• Blutgasanalyse in Ruhe und ggf. unter Belastung
• Röntgen-Übersichtsaufnahme in 2 Ebenen

Für weitere Untersuchungen bedarf es spezieller Indikationen bzw. Fragestellungen.

Dr. Voshaar machte darauf aufmerksam, dass nicht nur einzelne Werte der diagnostischen Untersuchungen wichtig seien, sondern diese im Zusammenhang betrachtet werden müssen, um zur richtigen Diagnose zu gelangen. Häufig würde der FEV1-Wert als entscheidender Wert überbewertet betrachtet. Als Beispiel nannte Voshaar ein isoliert vorliegendes Lungenemphysem. Hier seien viele Werte normal, erst eine CO-Diffusionsmessung verdeutliche die Problematik und ließe die Erkrankung in seinem Ausmaß erkennen.

Bei einem fortgeschrittenen COPD empfiehlt Dr. Voshaar immer die Durchführung einer Doppler-Echokardiographie, d.h. einer Ultraschalluntersuchung des Herzens, um abzuklären, ob eine Veränderung des rechten Herzens durch die COPD erkennbar ist.


Impfungen wichtiger Bestandteil der Prävention
Vortrag: Impfprophylaxe, Pneumokokken, Grippeschutz und weitere Impfungen
Professor Dr. Gernot Rohde, Maastricht

Impfungen sind eine äußerst wichtige Maßnahme, um Infektionen der Atemwege und Lunge zu vermeiden. Aufgrund der verminderten Abwehr in den Atemwegen und der Lunge können Infektionen bei COPD-Patienten akute Verschlechterungen (Exazerbationen) auslösen. Auslöser können insbesondere Viren aber auch Bakterien sein. Vermutet wird zudem, dass bestimmte Viren auch bleibende Infektionen verursachen können.
Noch zu wenige COPD-Patienten nehmen zurzeit die Möglichkeit der Impfungen wahr, bedauerte Professor Dr. Rohde.

Influenza-Impfung
Eine Influenza-Impfung wird für COPD-Patienten empfohlen. Da der Impfstoff jährlich neu definiert wird, ist die Impfung jährlich zu wiederholen, was auch zu einem sich aufbauenden Impfschutz beiträgt.

Wichtig zu wissen: Eine Impfung kann keine akute Verschlechterung auslösen. Häufigste Nebenwirkungen sind lokale Hautreaktionen. Inzwischen kann die Influenza-Impfung auch nasal (über den Weg der Nase) verabreicht werden.

Pneumokokken-Impfung
Eine Pneumokokken-Impfung wird für COPD-Patienten empfohlen. Pneumokokken Bakterien sind häufig Erreger der Lungenentzündung (Pneumonie). COPD-Patienten haben ein 2 bis 3 fach höheres Risiko an einer Lungenentzündung zu erkranken.

Wichtig zu wissen: Ein neu zugelassener Impfstoff, der sogenannte konjugierte Impfstoff, zeigt innerhalb von Studien eine höhere Wirkung die Lungenentzündung zu vermeiden, so Professor Rhode.

Pertussis-Impfung (Keuchhusten)
Für die Keuchhusten-Impfung besteht keine spezielle Empfehlung für COPD-Patienten. Diese Impfung gehört zu den Standardimpfungen im Kindesalter. Nach 10 Jahren ist jedoch eine Auffrischung notwendig. Da eine Komplikation des Keuchhustens die Lungenentzündung ist, sollte man sich auch als Erwachsener erneut impfen lassen, z.B. zusammen mit einer Auffrischungsimpfung gegen Diphterie und Tetanus.


Atemübungen sind die Basis eines gezielten Trainings
Vortrag: Atemtherapie mit praktischen Übungen
Dr. rer. medic. Sebastian Teschler

Patienten mit COPD brauchen eine gezielte aktive Bewegungstherapie, die optimaler Weise aus Lungensport, Muskelaufbautraining, Funktionsgymnastik und der Vermittlung verschiedener Atemtechniken bestehen sollte. Dabei sind Atemübungen die Basis eines jeden Trainings, so Dr. Teschler.

Die Wirkungen, die ein gezieltes Bewegungstraining erzielen kann, sollten jeden COPD-Patienten motivieren, unter individueller Anleitung eines Physiotherapeuten aktiv zu werden:
• Vermindertes Empfinden der Atemnot
• Abnahme von Angst und Depression
• Verminderung der dynamischen Überblähung
• Verbesserte Funktion der Skelettmuskulatur

Dr. Teschler betonte, dass auch die Bewegungstherapie auch unter einer Langzeit-Sauerstofftherapie umgesetzt werden kann. Selbst Ausdauer- und Muskeltraining kann unter Kontrolle der Sauerstoffsättigung durchgeführt werden.


Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Begleiterkrankungen bei COPD
Vortrag: COPD und mögliche Begleiterkrankungen
Professor Dr. Heinrich Worth, Fürth

Eine Reihe von Begleiterkrankungen wird bei COPD-Patienten häufiger beobachtet als bei gleichaltrigen lungengesunden Patienten. Dabei handelt es sich um Erkrankungen, die ebenfalls die Lunge bzw. die Atemwege betreffen wie z.b. Bronchiektasen, Asthma, Lungenfibrose etc. aber auch um Erkrankungen außerhalb der Lunge:
• Herz-Kreislauf-Erkrankungen - 51,4 %
• Diabetes mellitus - 14,3 %
• Erkrankungen der Psyche (Angstzustände, Depressionen) - 11,1 %
• Osteoporose - 7,0 %

(Daten der ACCORD-Studie)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskulären Erkrankungen) sollte aufgrund der Häufigkeit eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werde, referierte Professor Dr. Worth. Herz und Lunge unterliegen gemeinsamen Risikofaktoren wie z.B. Alter, Tabakrauch, systemische Entzündung und Bewegungsmangel. Weiterhin kann die Überblähung des Lungenemphysems zu einem erhöhten Druck auf das Herz führen. Eine Untersuchung mittels Echokardiographie ist insbesondere bei einem höheren Schweregrad der COPD angezeigt.

Eine Studie konnte zeigen, dass bei 64 % der untersuchten Patienten ohne bekannte Herzerkrankung eine Herzveränderung im Echokardiogramm sichtbar wurde.

Auch die Ruhe-Herzfrequenz steigt mit dem Schweregrad der COPD. Wobei die Herzfrequenz 60 bis 70 Schläge pro Minute nicht übersteigen sollte, da eine erhöhte Ruhe-Herzfrequenz die Lebenserwartung bei COPD verkürzt. Ggf. gilt es den Puls medikamentös zu senken.

Gut zu wissen: Bei Patienten mit COPD und koronarer Herzkrankheit bzw. Herzinsuffizienz kann der Einsatz initial niedrig dosierter kardioselektiver Beta-Blocker unter Kontrolle der Lungenfunktion empfohlen werden.

Bei Patienten mit COPD und Bluthochdruck sollten alternative Antihypertensiva (AT1-Antagonisten, Calcium-Antagonisten, ACE-Hemmer, Diuretika) vorgezogen werden.


COPD ist nicht heilbar, aber die Situation der Symptome kann erheblich verbessert werden
Vortrag: Basiswissen: Wirkstoffgruppen zur Behandlung von COPD und Lungenemphysem
Professor Dr. Adrian Gillissen, Kassel

Die Therapieziele einer medikamentösen Therapie sind:
• die Verminderung des Fortschreitens der Erkrankung
• die Linderung der Krankheitszeichen (Luftnot)
• die Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit / Aktivität
• die Verbesserung der Lebensqualität
• die Vorbeugung von akuten Verschlechterungen (Exazerbationen)
• die Vorbeugung von Komplikationen
• die Verbesserung der Prognose

Auch wenn die COPD nicht geheilt werden kann, so kann doch die Situation der Betroffenen erheblich verbessert werden, so Professor Dr. Gillissen.

Zur Verfügung stehen folgende Medikamentengruppen:
• Medikamente zur Raucherentwöhnung wie z.B. Nikotinersatztherapie oder Medikamenten wie Vareniclin und Bupropion
• Bronchitismedikamente zur Lösung des Bronchialschleims sowohl als pflanzliche wie auch chemische Präparate. Die Empfehlungen hierzu lauten diese Medikamente nur individuell und temporär einzusetzen.
• Medikamente zur Erweiterung der Bronchien als kurzwirksame Bronchodilatatoren als Notfallmedikation und langwirksame Bronchodilatatoren zur Dauermedikation. Zu den Bronchodilatatoren zählen Beta-2-Mimetika und Anticholinergika, die einzeln oder in Kombination verabreicht werden können.
• Entzündungshemmende Medikamente, hierbei handelt es sich um inhalative Kortisonhaltige Medikamente.

Wichtige Leitsätze zur medikamentösen COPD-Langzeittherapie:
• Primär: Inhalative Medikamentenanwendung
• Kurzwirksame Präparate nur für Bedarf oder Notfall nicht für die Dauertherapie
• Inhalatives Kortison:
• Nur in Kombination mit Bronchialerweiterung
• Nur wenn mehr als 1 bis 2 Exazerbationen pro Jahr vorliegen
• Roflumilast: nur wenn Exazerbationen und Bronchitissymptome vorliegen
• Schleimlöser nur zeitlich befristet einsetzen


Sauerstoffmangel spürt man nicht
Vortrag: Langzeit-Sauerstofftherapie: Voraussetzungen, Langzeitziel, korrekte Durchführung durch den Betroffenen (24Std), Flugreisen
Dr. Justus de Zeeuw, Köln

Viele Mythen herrschen um den Sauerstoff und die Langzeit-Sauerstofftherapie, schilderte Dr. de Zeeuw und zählte einige typische Erfahrungen aus der Praxis auf: „Sauerstoff macht abhängig.“ „Ich nutze den Sauerstoff einige Male am Tag für jeweils 3 bis 5 Minuten, dann wenn ich ihn eben brauche.“ „Meinem Mann muss nun endlich einmal Sauerstoff verordnet werden, er bekommt keine Luft mehr.“

Häufig wird Luftnot als Symptom des Sauerstoffmangels fehl gedeutet. Doch Sauerstoff und Luftnot sind zwei unterschiedliche Phänomene. Luftnot bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Sauerstoffmangel vorliegt, vielmehr resultiert das Symptom der Luftnot aus den mechanischen Störungen, den verengten Bronchien und der vermehrt notwendigen Muskelarbeit. Die tatsächlichen Symptome einer Luftnot sind hingegen Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Schwindel, bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Liegt ein nachweisbarer Sauerstoffmangel vor, so muss dieser möglichst kontinuierlich ausgeglichen werden. Ein Sauerstoffdepot bilden, also Sauerstoff tanken, kann der menschliche Körper nicht. Daher reicht eine kurzzeitige Anwendung der Sauerstofftherapie nicht aus. Wissenschaftliche Studien konnten nachweisen, dass erst ein Einsatz von 16 Stunden täglich, positive Effekte bewirkt. Die individuell notwendige Flussrate des zugeführten Sauerstoffs wird in aufwendigen Untersuchungen genauestens ermittelt und sollte exakt eingehalten werden.


Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion sollte in einem Lungenzentrum erfolgen
Vortrag: Neue Erkenntnisse zur bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion
Professor Dr. Felix Herth, Heidelberg

Zwei unterschiedliche Therapieprinzipien werden bei einer bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion durchgeführt: blockierende Verfahren mittels Einwegventilen und nicht-blockierende Verfahren mittels Spiralen oder Dampfapplikationen.

Grundvoraussetzung für den Einsatz dieser Verfahren sind eine √úberblähung (Residualvolumen - RV) von mehr als 175 %, gemessen während einer Bodyplethysmographie und ein inhomogenes Lungenemphysem, das in einer speziellen Computertomographie (HR-CT) Analyse festgestellt wird, so Professor Dr. Herth.

Um mögliche Komplikationen zu reduzieren, ist es entscheidend, die Patienten auszuwählen, bei denen eine Lungenvolumenreduktion tatsächlich sinnvoll ist, rät Professor Herth. Am ehesten sei dies in einem erfahrenen Lungenzentren möglich und er empfahl auch dort das CT durchführen zu lassen.

Bei richtiger Patientenselektion und Beachtung der Ausschlusskriterien bestehe eine Erfolgsrate von 80 %. Ziel der Lungenvolumenreduktion ist die Verkleinerung der Lunge und dadurch Verbesserung der überblähten Situation durch das Lungenemphysem.

Möglicherweise wird in Zukunft ein weiteres Verfahren, die sogenannte Targeted Lung Denervation, abgekürzt TLD, zur bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion eingesetzt.


Infektionen: Ursachen erkennen und Vorsorge treffen
Vortrag: Viren, Bakterien oder Pilze? Diagnostik und mögliche Therapieoptionen
Professor Dr. Susanne Lang, Gera

Atemwegsinfektionen können zu einer akuten Verschlechterung führen. Eine Ansteckung ist oft schwer zu vermeiden. Am erfolgreichsten sind Impfungen gegen den jeweiligen Virus- oder Bakterientyp wie die Influenza- und Pneumokokken-Impfung, so Professor Dr. Lang.

Auch Hygienemaßnahmen z.B. die Händedesinfektion oder gesundheitsbewusstes Verhalten wie z.B. Bewegung im Freien oder adäquate Kleidung kann zur Infektvermeidung beitragen.

Handelt es sich um einen Grippevirus, kann dieser durch einen Schnelltest rasch diagnostiziert werden. Bei einer frischen Grippeinfektion kann die Ausbreitung der Erreger verhindert werden. Hier werden Medikamente wie Tamiflu in Tablettenform und Relenza als Pulverinhalation eingesetzt.

Liegt eine bakterielle Infektion vor, so ist diese in erster Linie über eine Untersuchung des Sputums erkennbar. Das Sputum ist gelb oder grün verfärbt, was auch für den Patienten bereits einen Hinweis für eine mögliche Infektion aufzeigt. Die Behandlung mit Antibiotika ist für bakterielle Infektionen die wesentliche Maßnahme.

Neben Viren und Bakterien können auch Pilze Infektionen in der Lunge auslösen. Begünstigende Faktoren sind Diabetes mellitus, Blutkrebs, fortgeschrittene Tumore, Transplantationen, Immundefekte, langfristige Antibiotikatherapien und langfristige Kortisontherapien.

Patienten, die langfristig Kortison inhalieren, sollten nach der Inhalation den Mund ausspülen.
Eine Infektion mit Pilzen kann mittels antimykotischen Medikamenten meist gut behandelt werden, wenn die Infektion früh genug erkannt wird.

Fazit:
"Mit dem jährlich stattfindenden Symposium Lunge bieten wir Betroffenen, Angehörigen und Interessierten die Möglichkeit sich kostenlos, umfassend und aktuell von Fachleuten informieren zu lassen. Früherkennung und schnelles Handeln sind entscheidende Faktoren, die das weitere Voranschreiten einer COPD beeinflussen können. Zudem ist es unser Ziel dazu beizutragen, dass die COPD in der Öffentlichkeit eine breitere Wahrnehmung erfährt. Entscheidend ist, dass der Betroffene sich mit seiner Erkrankung auseinandersetzt, sich umfassend informiert, die Erkrankung akzeptiert und lernt −MIT− ihr zu leben.

“Das Leben endet nicht mit der Diagnose COPD-Lungenemphysem,es beginnt neu - nur auf eine andere Art und Weise als bisher“ Jens Lingemann.


Hinweis: Ein kompletter Videomitschnitt des 8. Symposium Lunge und der Vorträge ist ab Ende November 2015 erhältlich.

Die Fotoreportage zur Veranstaltung können Sie hier anschauen.

Weitere Informationen und Hinweise zu den zurückliegenden Veranstaltungen finden Sie unter
www.copd-deutschland.de
und www.lungenemphysem-copd.de.


Sabine Habicht und Jens Lingemann
Hattingen, 16. September 2015