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Symposium Lunge 2014: Nachbetrachtung
Am Samstag, den 02. September 2017 wird von 9:00 - 17:00 Uhr in Hattingen/NRW im LWL Industriemuseum das10. Symposium-Lunge stattfinden. Alle weiteren Informationen zu unserem Jahreskongress entnehmen Sie bitte den Kongresswebseiten auf unserer Homepage

Nachbetrachtung 7. Symposium - Lunge 2014

„Das Symposium Lunge ist bereits eine Marke geworden“, resümierte voller Begeisterung Professor Dr. Kurt Rasche, Wuppertal - einer der insgesamt zehn Referenten, die zu den führenden Lungenspezialisten in Deutschland zählen - und formulierte damit genau das, was viele Teilnehmer dachten.

Dass die Teilnehmerzahl erneut gestiegen war, hat daher niemanden verwundert. Mehr als 2.400 Gäste waren am 13. September 2014 nach Hattingen in die Gebläsehalle des Westfälischen Industriemuseums der Henrichshütte gekommen. Diesmal stand die Veranstaltung unter dem Motto: Chronische Atemwegserkrankungen - Neue Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten. Veranstalter des Symposium Lunge ist der COPD - Deutschland e.V.

Was diese Veranstaltung so einzigartig macht und warum die Teilnehmer - Patienten, Angehörige, Interessierte, Ärzte, Physiotherapeuten etc. - nicht nur aus ganz Deutschland sondern ebenso aus den benachbarten Ländern anreisen, wird schnell klar, wenn man die Eindrücke einiger Teilnehmer liest.

„Für mich war es wieder ein lehrreicher Tag mit vielen engagierten und starken Menschen. Allen, die nach Hattingen kamen, um sich auszutauschen und um neue Erkenntnisse zu erlangen, gilt meine Hochachtung. Sich nicht in einer Krankheit fallen zu lassen und zu resignieren, verlangt unendlich viel Kraft. Ich bin meinem Arzt dankbar, dass er mir den Weg zur Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland zum COPD - Deutschland e.V. und somit zum Symposium Lunge gezeigt hat. Alles, was ich im Austausch erlernt und begriffen habe, dient der derzeitigen Stabilisierung meines Gesundheitszustandes und ist letztendlich die beste Therapie.“ beschreibt Brigitte Brand aus Bad Sooden-Allendorf.

„Ich bin dankbar, dass es das Symposium Lunge gibt. Es ist eine einzigartige Veranstaltung, die komprimiert Informationen auf inhaltlich höchstem Niveau und in für Patienten verständlicher Form präsentiert“, formuliert Ulrich Grundstein, Bochum.

„Besser kann man eine Veranstaltung nicht organisieren. Trotz einer ungeheuren Informationsdichte nahmen sich alle Zeit, ob es einer der insgesamt 42 Aussteller war oder die Referenten. Austausch und Beratung waren besonders wichtig“, berichtet Christel Kelling aus Müritz.

Initiator und Organisator des Symposiums ist Jens Lingemann, der ebenfalls Gründer und Koordinator der Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland ist sowie Vorsitzender der COPD - Deutschland e.V. Jens Lingemann ist selbst von der Erkrankung betroffen und hat nach der Diagnosestellung vor 14 Jahren die Initiative ergriffen, Informationen und Plattformen für Patienten zu entwickeln.

Das Symposium-Lunge ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung.

Viel mehr als eine Informationsveranstaltung

Natürlich haben auch in diesem Jahr die herausragenden Vorträge der Lungenspezialisten das Grundgerüst des Symposiums Lunge dargestellt. Doch auch die weiteren Angebote der Veranstaltung boten den Teilnehmern wichtige Informationen. So war das LufuMobil erneut zur Stelle und führte vor Ort kostenfreie Lungenfunktionsmessungen durch. Insgesamt 140 Messungen konnten am Samstag gezählt werden.

Die Ausstellungsfläche wurde verdreifacht, um ein noch größeres Angebot präsentieren zu können. Die Bereitstellung dieser Fläche wurde erst durch den aufwendigen Aufbau von drei Zelten möglich. Doch es hat sich gelohnt, die Besucher waren von der Vielfalt des Ausstellungsangebotes begeistert. Zudem konnten kostenfreie Serviceleistungen vieler Aussteller wahrgenommen werden. Hierzu zählten Messungen der Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximeter, Blutdruckmessung, Ermittlung der Lungenfunktionsparameter FEV1 und FEV6, kleine Lungenfunktionsprüfung, Überprüfung von möglichen Keimbesiedlungen bei Nasenbrillen, CO-Messungen in der Ausatemluft sowie Testungen einer hochfrequenten Vibrations-Weste.

Für Teilnehmer mit einer Langzeit-Sauerstofftherapie wurde die kostenlose Befüllung der gängigen Flüssigsauerstoff Mobilgeräte zur Verfügung gestellt.

Ebenso eminent wichtig, wie das breit gefächerte Informations- und Beratungsangebot war der persönliche Austausch der Teilnehmer. Das Kennenlernen anderer Betroffenen, Erfahrungen teilen - auch hierfür bot die Gebläsehalle in Hattingen optimale Bedingungen.

„Ich bin nächstes Jahr wieder dabei“, war daher der Abschiedsgruß vieler Teilnehmer.


Asthma, COPD oder Asthma-COPD-Overlap-Syndrom?

Vortrag: Definition der COPD im Jahr 2014
Professor Dr. Helmut Teschler, Essen

„Wir befinden uns in einem Jahrzehnt der Lungenerkrankungen“, so fasste Professor Dr. Teschler, Essen die vielfachen Entwicklungen in der Lungenheilkunde zusammen. Die Zahl der Betroffenen, die an chronischen Atemwegserkrankungen - vor allem Asthma und COPD - Erkranken, steigt stetig weiter an. Beide Erkrankungen zählen daher zu den sogenannten Volkskrankheiten, d.h. häufig vorkommenden Erkrankungen. Hoffnung macht, dass das medizinische Wissen, um die Entstehung und die Mechanismen dieser Erkrankungen große Fortschritte macht und zudem eine Vielzahl von neuen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung steht.

AHA-Symptomatik ernst nehmen
Trotz ähnlicher AHA-Symptomatik, d.h. Atemnot, Husten und Auswurf, unterscheiden sich Asthma bronchiale und COPD, also chronisch obstruktive, die Bronchien verengende, Lungenerkrankung, durch einige wesentliche Merkmale.

Asthma tritt meistens bereits im Kindes- und Jugendalter auf, während COPD in der Regel erst im 50. / 60. Lebensjahr vorkommt. Auffällig ist die vollständige Rückbildung der Bronchienverengung bei einem vorliegenden Asthma, während bei einer COPD eine Rückbildung auch nach Gabe von Medikamenten nicht vollständig möglich ist. Zudem treten Atemnot und/oder Hustenattacken bei Asthma bronchiale oftmals anfallsartig auf, während sich zu Beginn einer COPD in der Regel ein morgendlicher kontinuierlicher Husten einstellt.

ACOS, eine Kombination aus Asthma und COPD
Auch das Vorliegen einer Mischform aus Asthma und COPD ist möglich. Diese Erkrankungsform wird als Asthma-COPD-Overlap-Syndrom, kurz ACOS, bezeichnet. Mit dieser Form der Erkrankung befasst sich die Medizin erst seit einigen Jahren. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass bei etwa 15 — 20 % der Patienten mit obstruktiven, also verengenden, Lungenerkrankungen ein ACOS vorliegt. Erste Studien zeigen, dass ACOS oftmals mit einem häufigeren Auftreten von Schüben (Exazerbationen) einhergeht.

Forderung nach mehr Aufmerksamkeit und Lungenfunktionstestungen
Allgemein in der Bevölkerung wird mit einem Asthma zumeist lediglich eine Lungenerkrankung verbunden, die sich aufgrund einer allergischen Reaktion entwickelt — doch inzwischen ist erwiesen, dass auch andere Erscheinungsformen (Phänotypen) eines Asthmas vorliegen können.
Eine COPD ist grundsätzlich nach wie vor zu wenig bekannt. Schätzungen zufolge besteht eine Dunkelziffer von etwa 40 % , die bisher nicht diagnostiziert wurden.

Beide Krankheitsbilder benötigen dringend mehr Aufmerksamkeit, insbesondere da sie lebenslang bestehen und die COPD zudem einen progredienten, d.h. einen sich stetig verschlechternden Verlauf nimmt.

Mediziner fordern daher frühzeitige Lungenfunktionstestungen (LUFU) bzw. für Risikopatienten wie z.B. Raucher ab dem 60. Lebensjahr eine Vorsorgeuntersuchung mittels LUFU.


Mögliche Begleiterkrankungen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung - COPD ist eine Systemerkrankung

Vortrag: COPD und Begleiterkrankungen
Professor Dr. Kurt Rasche, Wuppertal

„Mehr als 50 % aller COPD-Patienten leiden im höheren Alter an mindestens drei zusätzlichen behandlungsbedürftigen Krankheiten“, verdeutlichte Professor Dr. Rasche, Wuppertal in seinem Vortrag. Der ursächliche Zusammenhang zwischen der COPD und den verschiedenen möglichen Begleiterkrankungen ist vielfältig und oft wechselseitig.

Wichtig zu wissen, dass COPD eine Systemerkrankung ist, d.h. eine Erkrankung, die nicht nur mit Veränderungen der Lunge einhergeht, sondern deren Auswirkungen den ganzen Körper betreffen.

Weiterhin stellt das inhalative Zigarettenrauchen, die Hauptursache für das Auftreten einer COPD, auch für andere Erkrankungen, wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, häufigere Infekte oder Lungekrebs, einen Risikofaktor dar.

Auch die Krankheitserscheinungen der COPD wie z. B. die vorliegende chronische Entzündung der Bronchien können Folgeerkrankungen auslösen. Zudem können COPD-Medikamente die Risiken für verschiedene Begleiterkrankungen wie z. B. der Osteoporose erhöhen.

Risiken kennen und rechtzeitig handeln
Für COPD-Patienten ist es wichtig, über mögliche Begleiterkrankungen informiert zu sein, um Risiken zu minimieren — hierzu zählt z. B. der Rauchstopp - und vorbeugendes Handeln — wie z. B. regelmäßige Bewegung. Aber auch das frühzeitige Erkennen und die Einleitung einer frühzeitigen Therapie ist sowohl für den Verlauf der COPD wie auch möglicher Begleiterkrankungen von entscheidender Bedeutung.

Zu der Gruppe der Begleiterkrankungen zählen insbesondere:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Störungen des Bewegungsapparates
  • Infekte der Atmungsorgane
  • Störungen des Stoffwechsels und des Verdauungstraktes
  • Harninkontinenz
  • Psychische Störungen
  • Schlafstörungen
  • Lungenkarzinome

Neuer Ratgeber
Ein neuer Ratgeber des COPD — Deutschland e.V. und der Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland, der mit wissenschaftlicher Beratung durch Professor Dr. Kurt Rasche entwickelt und erstmals in Hattingen vorgestellt wurde, bietet ausführliche Basisinformationen zu allen häufig auftretenden Krankheitsbildern sowie möglichen vorbeugenden Maßnahmen.

Darüber hinaus zeigt die aktuelle COSYCONET-Studie den derzeitigen wissenschaftlichen Stand zu den sogenannten Komorbiditäten bei COPD — siehe auch www.asconet.net.


Auch Ärzten zu wenig bekannt: Alpha-1-Antitrypsinmangel möglicher Auslöser für das Lungenemphysem

Vortrag: Alpha-1-Antitrypsinmangel als möglicher Auslöser des Lungenemphysems
Dr. Timm Greulich, Marburg

„Innerhalb einer Ärztebefragung formulierten die teilnehmenden Ärzte selbst, zu wenig über einen Alpha-1-Antitrypsinmangel zu wissen“, dokumentierte Dr. Timm Greulich, Marburg während des Symposium Lunge in Hattingen. Sicherlich ein Grund, warum die Dunkelziffer der betroffenen Patienten nach wie vor hoch ist. Nur bei etwa 10 % der Betroffenen wird derzeit die korrekte Diagnose gestellt.

Alpha-1-Antitrypsinmangel — eine Erbkrankheit
Alpha-1-Antitrypsinmangel ist eine seltene Erbkrankheit, bei der sich zu wenig Alpha-1-Antitrypsin im Blut befindet. Durch diesen Mangel entsteht ein Ungleichgewicht von sogenannten proteolytischen Enzymen und Antiproteasen, was zu einer Schädigung der Atemwege und Lungenbläschen (Alveolen) und letztendlich zu einem Lungenemphysem, d. h. einer Überblähung der Lunge führen kann.

Durch die Änderung des Lebensstils und Maßnahmen wie z. B. einem Rauchstopp kann die Entwicklung wie auch das Fortschreiten eines Lungenemphysems verzögert werden.

Darüber hinaus kann inzwischen das fehlende Protein durch eine Infusion 1 x pro Woche ersetzt werden, so dass im Blut ein annähernd normaler Wert erreicht werden kann.

Jeden COPD-Patienten einmal testen
Ein weiterer „Stolperstein“ bei der Erkennung eines Apha-1-Antitrypsin-Mangels ist die Durchführung von Testungen fast ausschließlich bei jungen Patienten mit einem vorliegenden Lungenemphysem. Dies ist der Annahme geschuldet, dass eine Erbkrankheit sich bereits in jungen Jahren bemerkbar macht. Ältere Patienten mit einem Lungenemphysem hingegen werden bisher selten auf einen Alpha-1-Mangel untersucht, da man eher von anderen Ursachen, insbesondere dem häufig vorkommenden Rauchverhalten, ausgeht.

Doch genau hier gilt es zukünftig anzusetzen, denn die Auswirkungen eines Alpha-1-Mangels zeigen sich nicht ausschließlich in jungen Jahren. Da der Mangel unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, kann dieser auch erst in späteren Jahren zum Tragen kommen. Daher empfiehlt die WHO (Weltgesundheitsorganisation) alle COPD bzw. Emphysem-Patienten einmal einer Alpha-1-Antitrypsin-Testung zu unterziehen.

Einfaches Testverfahren
Mittels eines einfachen Schnelltests kann das Vorliegen eines Alpha-1-Antitrypsinmangels festgestellt werden. Der Test kann bei jedem Arzt vorgenommen werden. Dabei werden einige Tropfen Blut aus der Fingerbeere oder dem Ohrläppchen entnommen und auf einen Teststreifen aufgetragen.

Jeder Arzt kann den Alpha QuickScreen kostenfrei bestellen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.alpha-1-info.com.


Bewegung - fast wichtiger als Therapie - Bedeutung von körperlicher Aktivität bei COPD

Vortrag: Lungensport und Medizinische Trainingstherapie
Dr. Oliver Göhl, Sportwissenschaftler, Sporttherapeut, Donaustauf

„Je weniger Sie sich bewegen, desto höher ist das Risiko für Infekte, desto stärker reduziert sich die Leistungsfähigkeit und desto schneller entwickelt sich der Verlauf der COPD“, verdeutlichte Dr. Göhl anhand aktueller Studiendaten. „Wer sich mehr bewegt, kann den Abfall der Lungenfunktion vermindern und den Verlauf der COPD günstig beeinflussen“, so Göhl und forderte die Teilnehmer des 7. Symposiums Lunge auf, täglich mindestens 30 Minuten Bewegung in den Alltag einzubinden.

Dass körperliche Aktivität positive Effekte auf eine Vielzahl von Erkrankungen bewirkt, ist seit vielen Jahren bekannt. Doch nun konnten gezielte Studien bei COPD nachweisen, dass Patienten, die sich wenig bewegen, eine höhergradige Lungenobstruktion, eine geringere körperliche Fitness, eine stärkere Abnahme der Muskelmasse, eine stärkere Abnahme der Leistungsfähigkeit im 6-Minuten-Gehtest sowie eine stärkere systemische Entzündungsreaktion aufweisen als Patienten mit einem moderaten Aktivitätsprofil.

Atmung braucht Muskelkraft
Warum gerade bei einer Lungenerkrankung wie der COPD körperliches Training so wichtig ist, wird schnell klar, wenn man sich die Funktion der Atmung und deren Veränderung durch die Erkrankung betrachtet. Ohne die Atemmuskulatur - insbesondere das Zwerchfell - wäre eine Erweiterung oder Verengung des Brustkorbs und damit der Lunge nicht möglich. Der Unterdruck, der dadurch gebildet werden kann, sorgt für ein Ansaugen der Luft bei der Einatmung.

Verengungen der Bronchien und möglicherweise eine Überblähung des Lungengewebes durch ein Lungenemphysem erhöhen den Innendruck in der Lunge um ein Vielfaches, so dass neben dem Zwerchfell nun — insbesondere für das Abatmen — auch die Atemhilfsmuskeln eingesetzt werden müssen. Die Atemmuskulatur muss also Schwerstarbeit leisten. „Atemnot kann daher auch als ein Hilfeschrei der Atemhilfsmuskulatur bezeichnet werden“, formulierte Dr. Göhl.

Voraussetzung: Erlernen eines sicheren, angepassten und effektiven Trainings
Unabdingbare Voraussetzung für ein körperliches Training ist die exakte Umsetzung von Trainingsempfehlungen. Nur so kann ein sicheres und effektives und vor allem der körperlichen lungenspezifischen Leistungsfähigkeit angepasstes Training gestaltet werden. Optimale Rahmenbedingungen für das Erlernen bietet eine Rehabilitationsmaßnahme in einer auf Lungenerkrankungen spezialisierten Rehabilitationsklinik.

Wichtige Hintergrundinformationen für ein besseres theoretisches Verständnis und erste Anleitungen für ein häusliches Training erläutert Ihnen Dr. Göhl auf seiner Internetseite www.trainingbeicopd.de


Atemwegsinfekte vermeiden hilft Schübe reduzieren

Vortrag: Wie kann ich Atemwegsinfektionen vermeiden?
Professor Dr. Heinrich Worth, Fürth

„Exazerbationen, d.h. akute Krankheitsschübe bei COPD werden insbesondere durch Infektionen hervorgerufen“, erläuterte Professor Dr. Worth in Hattingen. „Es gilt daher den Schutzwall der Bronchien so gut wie möglich zu erhalten.“

Die Bronchialschleimhaut ist die Schutzbarriere der Lunge. Dort werden Staub-Partikel, Viren und Bakterien unschädlich gemacht. Durch Zigarettenrauch oder andere Umweltgifte wird die Schleimhaut geschädigt. Die Abwehrfunktion der Schleimhaut wird zerstört und die Lunge ist allen Schadstoffen ungeschützt ausgesetzt.

Zu Atemwegsinfektionen zählen:

  • akute Bronchitis
  • durch Infektionen ausgelöste Exazerbation
  • Lungenentzündung (Pneumonie)

Unterstützung der körpereigenen Schutzbarriere
Um die Bronchialschleimhaut in ihrer Funktion zu unterstützen, sollten im ersten Schritt Zigarettenrauch und andere Umweltgifte möglichst gemieden werden.

Zudem können weitere Maßnahmen helfen, Atemwegsinfekte zu vermeiden:

  • Influenzavirus-Impfung (jährlich)
  • dem Wetter angepasste Kleidung tragen
  • Ansteckungsgefahren meiden wie z.B. Menschenansammlungen, Händedruck etc.
  • durch gezielte ärztliche Intervention bei Grippe bzw. ggfs. antibiotische Therapie bei bakteriellen Infekten
  • durch Sport und schadstoffarme Atemluft wird die Schleimhaut gefestigt

Pneumokokkenschutzimpfung
Die Pneumokokkenschutzimpfung wird bei chronischen Lungenerkrankungen, wie einer COPD, empfohlen, um einen schwerwiegenden Verlauf der durch Pneumokokken bedingten Lungenentzündung zu verhindern.

Bisher stand ausschließlich ein sogenannter 23-valenter Polysacheridimpfstoff zur Verfügung. Der Impfstoff ermöglicht eine 70 — 80 %ige Schutzwirkung bei jungen Erwachsenen, bei über 55jährigen eine 42 %ige Risikoreduzierung.
Nun steht ein zweiter Impfstoff, Prevenar 13, ergänzend zur Verfügung.


Schwerbehindertenausweis bei COPD

Vortrag: COPD und Schwerbehindertenausweis, wie der Gutachter beurteilt
Professor Dr. Adrian Gillissen, Kassel

Ein Schwerbehindertenausweis ist notwendig für die Inanspruchnahme von verschiedenen „Nachteilsausgleichen“, die Menschen mit einer Behinderung per Gesetz zustehen. Hierbei kann es sich um Vergünstigen wie z.B. bei der KFZ-Steuer, öffentlichen Verkehrsmitteln, steuerlichen Vorteilen, Eintrittspreisen, Krankheits-/Kur-, Kinderbetreuungskosten, Haushaltshilfen, beruflichen Vergünstigungen (z.B. Kündigungsschutz) etc. handeln.

Einen Schwerbehindertenausweis kann jeder beim Versorgungsamt seiner Stadt oder Gemeinde beantragen. Das Versorgungsamt schickt den Antrag auf Anfrage zum Antragssteller.

Das Procedere
Bei der Antragsstellung sollten Sie folgendes beachten:

  • Antrag vollständig ausfüllen
  • alle vorliegenden Krankheiten angeben
  • für alle Krankheiten Atteste, med. Bescheinigungen, Arztbriefe etc. beifügen (sprechen Sie hierzu Ihren Arzt oder das Krankenhaus an)

Bedenken Sie bei der Antragsstellung: Viel hilft viel. Der Patient hat den Nachweis im Hinblick auf seine Behinderung zu erbringen.

Durch einen Sachbearbeiter des Versorgungsamtes bzw. der zuständigen städtischen Behörde wird über den prozentualen Schwergrad der Behinderung (GdB — Grad der Behinderung) entschieden. GdB ist die Behinderungseinschätzung im Vergleich mit einem gleichaltrigen Gesunden
Manchmal wird auch eine ärztliche Untersuchung durch einen Amtsarzt anberaumt. Der Amtsarzt erstellt dann ein Gutachten, bei der er die Summe aller Erkrankungen berücksichtigt und spricht eine Empfehlung für den GdB aus.

Der Amtsarzt orientiert sich an den Gutachter-Richtlinien:

  • unter Therapie Aktivitäten und Ernährung altergemäß — GdB 20 %
  • unter Therapie Aktivitäten und Lungenfunktion leicht eingeschränkt — GdB 30 — 40 %
  • Aktivitäten (und Lungenfunktion) deutlich eingeschränkt, Erwerbstätigkeit in der Regel noch möglich — GdB 50 — 70 %
  • schwere bis schwerste Einschränkungen der Aktivitäten, der Lungenfunktion — GdB 80 — 100 %
  • „Folgekrankheiten sind ggfs. zusätzlich zu berücksichtigen“

Einen Behindertenausweis erhält jeder Patient mit COPD, bei dem ein Grad der Behinderung von mindestens 50 % vorliegt.

Der Widerspruch
Gegen einen Bescheid kann beim Versorgungsamt Widerspruch eingelegt werden. Folgendes sollte hierbei bedacht werden:

  • Häufig fühlt man sich zu schlecht eingeschätzt!
  • Ein Widerspruch ist „kostenfrei“
  • Darüber hinaus hilft der Rechtsanwalt. Aber bitte Vorsicht!
    • Forderung muss realistisch sein
    • Forderung muss medizinisch beweisbar sein
    • auch Rechtsanwälte wollen verdienen
    • vielleicht besser akzeptieren und später Antrag auf Höherstufung stellen

COPD und Urlaub

Vortrag: COPD und Urlaub: Tipps und Tricks
Professor Dr. Adrian Gillissen, Kassel

Bei den Reisevorbereitungen für einen Urlaub ist bei einer chronischen Erkrankung, wie der COPD vieles zu beachten. Nicht nur was den geeigneten Urlaubsort und die dortigen Aktivitäten betrifft, sondern es kommt darüber hinaus viel Unbekanntes auf einen zu, was es zu bedenken gilt. Sorgfältige Planung ist daher unbedingt notwendig:

  • Nur reisen, wenn Erkrankung stabil!
  • ärztliche Versorgung am Urlaubsort abklären
  • Versicherungen:
    • Krankenversicherung/Reise-Krankenversicherung inkl. Rücktransport
    • Gilt die Versicherung auch für chronisch Kranke?
    • Reise-Rücktrittsversicherung
  • Ausreichende Medikamente, Medikamentenliste für den Urlaub mitnehmen (am Urlaubsort heißen Medikamente u.U. anders)
  • Europäischer Notfallausweis
  • Impfausweis
  • Begleit- und/oder Rollstuhlservice reservieren
  • Sitzplatzreservierung in der Bahn
  • Sauerstoffversorgung für Reise und am Urlaubsort klären
  • Stromspannung/Adapterversorgung am Urlaubsort
  • Kredit-/EC-Karte inkl. Geheim-Nr. für plötzliche Ausgaben

Sauerstofftherapie im Urlaub

Flugreisen

  • Bei vorheriger Anmeldung 02-Versorgung im Flugzeug möglich.
  • Vor Flugreise bei Reiseveranstalter/Fluglinie erkundigen!

PKW-Fahrten

  • Mobile Geräte für PKW inkl. 12 V-Anschlüsse verfügbar
  • Auskünfte über Gerätehersteller/Vertrieb

O2-Versorgung am Urlaubsort

  • In Deutschland meist problemlos möglich
  • Im EU-Ausland nur bei vorhandenem Vertriebspartner
  • Immer vor Reiseplanung mit O2-Firma/Vertrieb sprechen, da unterschiedliche Vertriebsnetze und Partner

Wenn vor Angst der Atem stockt - Vom Wechselspiel zwischen Atmung und Gehirn

Vortrag: Atmung und Psyche — vom Wechselspiel zwischen Lunge und Hirn
Dr. Justus de Zeeuw

Bereits die Samurai wussten, dass neben Körperbeherrschung auch die Kontrolle der Atmung für eine optimale Kampftechnik wichtig ist. Erst durch die Beherrschung beider Techniken galten sie als furchtlose Krieger.

Auch in unserer Kultur dokumentieren bereits typische Redewendungen wie z.B. „atemlose Spannung“ oder „da bleibt mir die Luft weg“ eine Verbindung zwischen Atmung und Gefühlen.

Lautlose Kommunikation durch Atmungsmuster
Antwort, warum ein Wechselspiel zwischen Atmung und Gehirn besteht, gibt uns die Natur.
Beobachten wir zum Beispiel ein Kaninchen in Gefahr, bemerken wir eine schnelle Atmung. über diesen Weg teilt es seinen Artgenossen mit, dass diese aufmerksam sein sollen. Bestimmte Atmungsmuster ermöglichen also eine lautlose Kommunikation.

Und auch an uns selbst können wir feststellen, dass eine ruhige Atmung beruhigend wirkt. Oder eben der Atem stockt, wenn wir uns erschrecken.

Zusammenhänge nutzen, um Symptome der COPD zu beherrschen
Das Wissen, um diese Zusammenhänge kann helfen, in Situationen der Luftnot nicht in Angst und Panik zu verfallen, sondern dem Teufelskreis bewusst entgegen zu steuern. Durch langsame, tiefe Atmung kann erreicht werden, dass sich die Angstgefühle verringern, die Atmung ruhiger wird und sich der Körper wieder entspannt.

Moderne therapeutische Konzepte berücksichtigen diesen Aspekt bei der Behandlung von Luftnot. Ein Atemtraining oder physiotherapeutische übungen können helfen, entsprechende Verhaltensmuster zu erlernen.


COPD — Auf Besonderheiten im Alter achten!

Vortrag: COPD — Besonderheiten im Alter
Professor Dr. Susanne Lang, Gera

„Eigentlich müsste sich die Medizin gemäß der verschiedenen Altersgruppen ausrichten“, plädierte Professor Dr. Susanne Lang, Gera. „In verschiedenen Lebensabschnitten sollten unterschiedliche Befindlichkeiten und auch Fähigkeiten Berücksichtigung finden.“

Im Alter verändern sich Körperfunktionen, Wahrnehmungen aber auch Beschwerdebilder. Im Zusammenhang mit COPD bedeuten die natürlichen Alterungsvorgänge der Lunge und des Immunsystems zum Beispiel, dass Infektionen und Begleiterkrankungen häufiger auftreten können, zudem fallen Exazerbationen (akute Schübe) meist schwerer aus.

Exazerbationen und Infektionen
Im Vergleich zu Patienten unter 65 Jahren steigt die Häufigkeit der Lungenentzündung um das 4fache an. Auch das Erregerspektrum bei bakteriellen Infektionen unterscheidet sich bei älteren Menschen, was wiederum bei der Auswahl des Antibiotikums wichtig ist.

Empfohlene Schutzmaßnahmen bei COPD-Patienten über 65 Jahren:

  • Impfungen gegen Grippe
  • Impfung gegen Keuchhusten
  • Pneumokokkenimpfung

Begleiterkrankungen
Durch natürliche Alters- und Abnutzungserscheinungen treten Erkrankungen auf, die bei Vorliegen einer COPD eine wichtige Rolle spielen können. Begleiterkrankungen wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen, die sich unmittelbar auch auf die Lunge auswirken können, sollten eine hohe Aufmerksamkeit erfahren und vorbeugend behandelt werden.

Ebenso kann sich eine Osteoporose, die im höheren Alter häufiger auftritt, durch Wirbelkörpereinbrüche negativ auf die Lunge auswirken.

Therapeutische Aspekte
Die Verträglichkeit von Medikamenten kann im Alter reduzierter sein. So treten z.B. bei bronchienerweiternden Sprays und Pulvern vermehrt Herzrhythmusstörungen auf, bei Pulvern kann es zudem zu Reizungen der Mundschleimhaut kommen. Auch bei Cortison können verstärkt Nebenwirkungen auftreten.
Bei inhalativen Medikamenten (Tiotropium, Glycopyrronium, Umeclidinium, Aclidinium) sollten auftretende Blasenentleerungsstörungen beachtet werden.
Besondere Vorsicht ist bei dem Einsatz von Theophyllin angebracht, da bei einer überdosierung von einer erhöhten Sterblichkeit berichtet wird.


Sauerstoff für die Lunge und NIV für die Atempumpe - Langzeit-Sauerstofftherapie und Nicht invasive Beatmung

Vortrag: Langzeit-Sauerstofftherapie und Nicht invasive Beatmung — Indikationen und Ziele, korrekte Durchführung durch den Betroffenen
Prof. Dr. Wolfram Windisch, Köln

„Es gibt kaum eine Therapie, die mehr dazu beigetragen hat, dass es den COPD-Patienten besser geht“, erklärte Professor Dr. Wolfram Windisch, Köln zur Sauerstofftherapie. „Dies betrifft sowohl die Langzeit-Sauerstofftherapie wie auch die nicht invasive Beatmung. Aktuell wird in einer Studie dokumentiert, dass die nicht invasive Beatmung erheblich zu einer Lebensverlängerung beiträgt.“

Bei einer fortgeschrittenen COPD ist die Atemfunktion zunehmend eingeschränkt. Die Ursachen hierfür sind im Wesentlichen in zwei Bereiche zu unterteilen:

  • Belastungen, die insbesondere die Lunge betreffen.
  • Belastungen, die die Atemmuskulatur betreffen.

Die Langzeit-Sauerstofftherapie wird zur Entlastung der Lunge eingesetzt, die nicht invasive Beatmung zur Entlastung der Atemmuskulatur.

Das Ziel einer Therapie mit Sauerstoff besteht langfristig darin, die bestehende Luftnot zu lindern und die körperliche Belastung zu verbessern.

Akzeptanz der Therapie
Wird die medizinische Notwendigkeit für eine Therapie gestellt, so bedeutet dies für Patienten oftmals eine große Herausforderung. Die Akzeptanz der Therapie und insbesondere deren Umgang in der öffentlichkeit, fallen vielen Patienten am Anfang nicht leicht.
Der Austausch mit anderen Betroffen kann hier helfen.

Besonders wichtig ist der Einsatz der Therapie möglichst 24 Stunden pro Tag, mindestens jedoch 16 Stunden, da nur die konsequente Anwendung ein verlängertes Langzeitüberleben erzielen kann. Dass eine kurzfristige Anwendung keinen überlebensvorteil bringt, belegen wissenschaftliche Studien.

Beatmungszentrum
Wird eine nicht invasive Beatmung notwendig, sollte deren Einleitung und Schulung unbedingt in einem Beatmungszentrum und während einer stabilen Phase der Erkrankung erfolgen.

Die Beatmung muss vom Patienten erlernt werden. Dies benötigt Geduld und Schulung sowie ein erfahrenes Therapeutenteam. Regelmäßige Kontrollen im Beatmungszentrum sind ebenfalls Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

Oftmals werden eine Langzeit-Sauerstofftherapie und eine nicht invasive Therapie kombiniert eingesetzt.

Weiterführende Informationen finden Sie unter www.digab.de.


Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion

Vortrag: Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion, welche Verfahren stehen aktuell zur Verfügung?
Professor Dr. Felix Herth, Heidelberg

„Es fehlt der Hubraum“, erklärte bildhaft Professor Dr. Felix Herth, Heidelberg die Situation bei Vorliegen eines Lungenemphysems. Durch eine Überblähung hat die Lunge nicht mehr die Möglichkeit, sich ausreichend auszudehnen.

Ein Lungenemphysem führt zu Atemnot bei geringer Belastung und ebenso zu verminderter Leistungsfähigkeit. Eine bronchoskopische Lungenvolumenreduktion kann möglicherweise dazu beitragen, diese Belastungen zu vermindern. Durch die Verminderung der Überblähung wird die elastische Rückstellkraft der Lunge optimiert und durch eine gesteigerte Effizienz der Zwerchfell- und Thoraxwandbewegungen die Atemmechanik verbessert.

Ob eine Lungenvolumenreduktion durchgeführt werden kann, hängt vom Status der Erkrankung ab und ebenso von der Lage und Verteilung der Emphysemblasen.

Verschiedene Verfahren stehen derzeit für einen minimal-invasiven Eingriff zur Lungenvolumenreduktion zur Verfügung. Deren aktueller Status wurde von Professor Herth wie folgt dokumentiert:

  • Einsatz von Ventilen
    • am häufigsten eingesetztes Verfahren
    • Ventile funktionieren bei kompletten Fissuren
    • neue CT (Computertomographie) Analysen verbessern die Selektion, für wen das Verfahren geeignet ist
  • Einsatz von Spiralen
    • Prädiktoren stehen noch aus — d. h. für wen das Verfahren am geeignet ist
    • Spiralen sind nicht mehr entfernbar
  • Einsatz von Kleber oder Dampf
    • Effektivität steht aus
    • nur innerhalb von Studien durchführen
  • Denervierung
    • Ein vollkommen neues Verfahren — hierbei werden Nerven blockiert
    • nur innerhalb von Studien durchführen

Eine rasche Weiterentwicklung wird in der Zukunft erwartet, in der insbesondere die technikorientierten Verfahren einen hohen Stellenwert haben werden.

Als besonders wichtig propagiert Professor Herth die Durchführung einer Lungenvolumenreduktion in einem damit erfahrenen kompetenten Zentrum für Pneumologie. Insbesondere bei den neueren Verfahren sei der Einschluss in eine Studie zudem unabdingbar.



Sabine Habicht und Jens Lingemann
Hattingen, 17. September 2014