COPD - eine neue Krankheit - oder nur ein neuer Name?


Chronische Bronchitis und Lungenemphysem treten (wegen der gemeinsamen Ursache) in vielen Fällen gemeinsam auf und verlaufen im Endstadium sehr ähnlich, sodass man sie dann nicht mehr genau voneinander trennen kann. Es hat sich deswegen der Ausdruck COPD eingebürgert (Chronic Obstructive Pulmonary Disease oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankung).
Das Hauptproblem ist eine langsam fortschreitende Abnahme der Atemkapazität durch Zerstörung des Lungengewebes: Aus den feinen Lungenbläschen werden zunehmend größere, schlaffe Luftsäcke. Der Gasaustausch funktioniert nicht mehr, deswegen wird zu wenig Sauerstoff ins Blut aufgenommen, das Kohlendioxid wird nicht ausreichend abgeatmet, es „staut“ sich im Blut und „vergiftet“ den Menschen. Die schlaffen Luftsäcke haben wie ein „ausgeleierter“ Luftballon nicht mehr die Kraft, die Luft aus dem Brustraum zu entfernen. Zusätzlich sind die Bronchien durch Gewebezerstörungen nicht mehr stabil, beim kleinsten Ausatemdruck fallen sie in sich zusammen (kollabieren) und verschlechtern die Ausatmung noch weiter.

Der bereits oben beschriebene „Teufelskreis“ findet sich in besonders ausgeprägter Weise beim Lungenemphysem, aber die Möglichkeit, ihn durch krampflösende Medikamente zu durchbrechen (wie beim Asthmaanfall) fehlt! Es bleibt damit vor allem als Therapie der Einsatz von Atemtechniken übrig (dosierte Lippenbremse) sowie der Versuch, die Krankheit durch Beseitigung der Ursache zu stoppen.

Es muss hinzugefügt werden, dass es einige Menschen mit Lungenemphysem gibt, bei denen das (inhalative) Zigarettenrauchen, also das „Rauchen auf Lunge“ nicht die Krankheitsursache darstellt – oder zumindest nicht die Einzige. Ein kleiner Teil der Emphysemkranken leidet unter einem angeborenen Mangel eines wichtigen Blutstoffes:
Alpha-1-Antitrypsin oder Alpha-1-Proteinaseninhibitor (wie man heute eher sagt). Dieser Stoff (man bezeichnet ihn chemisch als Enzym) verhindert normalerweise die Zerstörung der zarten Lungenbläschen durch gefährliche Inhalationsgifte. Diese können bei den Betroffenen ungehindert angreifen und so Atemwege und Lungenbläschen zerstören.
Insbesondere der aggressive Zigarettenqualm mit seinen über 4000 bekannten, teils hochgiftigen Inhaltsstoffen, aber auch andere Umweltgifte führen bei den „Alphas“, wie sich die Betroffenen selbst nennen, zu katastrophalen Folgen.

Man spricht in diesem Fall von einem Alpha-1-Proteinaseninhibitor-Mangelemphysem (auch A1-PI-Mangelemphysem oder A1-Antitrypsinmangelemphysem).
Diese Form des Lungenemphysems tritt meist deutlich früher auf als das „Raucheremphysem“ – manchmal erkranken schon 25- bis 30-Jährige daran. Wenn jemand mit dieser Veranlagung dann auch noch raucht …

Chronische Bronchitis und Lungenemphysem fasst man heute meist zusammen (s. oben) und nennt das Krankheitsbild dann COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease - auf Deutsch: chronisch-obstruktive Lungenerkrankung). Das macht man deshalb, weil fast immer beide Erkrankungen zusammen vorkommen, wobei durchaus bei einem Menschen die Bronchitis ausgeprägter sein kann, und beim anderen eher das Emphysem im Vordergrund steht. Bei beiden Erkrankungen ist auch das Zigarettenrauchen eine der wichtigsten Ursachen. So hat es sich für die Praxis als sinnvoller erwiesen, die zwei Krankheitsbilder zusammen zu betrachten und auch zu behandeln.

 

Freigegeben für unsere Homepage von Dr. Michael Prittwitz
aus dem Buch "Luft ist Leben"

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