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Heimbeatmung - Überblick
Am Samstag, den 01. September 2018 wird von 9:00 - 17:00 Uhr in Hattingen/NRW im LWL Industriemuseum das 11. Symposium-Lunge stattfinden. Alle weiteren Informationen zu unserem Jahreskongress entnehmen Sie bitte den Kongresswebseiten auf unserer Homepage

Vorträge 11. Symposium-Lunge am 01.September in Hattingen/NRW

Heimbeatmung - Überblick

Aufgabe der menschlichen Atmung ist einerseits, eine ausreichende Sauerstoffaufnahme für den Organismus zu gewährleisten, andererseits das durch die verschiedenen Stoffwechselprozesse entstehende Kohlendioxid an die Umgebungsluft abzugeben.

Voraussetzung für eine einwandfreie Funktion der Atmung ist neben einer gesunden Lunge, in der der Gasaustausch zwischen Atemluft und Blut stattfindet, eine intakte Atempumpe.

Unter dem Begriff Atempumpe sind zusammengefasst:
- das Atemzentrum, das im Gehirn liegt und Atemfrequenz etc. steuert
- die Nerven, die das Atemzentrum mit den Atemmuskeln verbinden
- die Atemmuskeln (der wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell,
- des weiteren die Zwischenrippenmuskeln,
- etliche Muskeln des Schultergürtels und der Bauchdecke)
- der knöcherne Brustkorb (Thorax), bestehend aus der Wirbelsäule und den Rippen.

Wenn ein oder mehrere Teile der Atempumpe oder die Lunge erkrankt sind, ist die menschliche Atmung beeinträchtigt. Als Ursachen kommen Erkrankungen infrage, die entweder die Aufnahme von Sauerstoff in der Lunge beeinträchtigen oder die keine ausreichende Belüftung der Lunge (Ventilationsstörung) zulassen.

Nach Abwägung medizinischer und nichtmedizinischer Kriterien, kann eine Beatmung unter häuslichen Bedingungen bei Patienten durchgeführt werden, deren Lunge durch Störung der Atempumpe nicht ausreichend belüftet wird. In Deutschland werden pro 100.000 Einwohnern ca. 4-5 Patienten mit chronischer ventilatorischer Insuffizienz beatmet.

Bei welchen Erkrankungen wird Heimbeatmung eingesetzt?
Eingesetzt wird die Heimbeatmung bei Erkrankungen, die das Atemzentrum, die Atemmuskeln einschließlich der sie versorgenden Nerven oder den knöchernen Brustkorb betreffen. Als Folge dieser Erkrankungen tritt eine so genannte ventilatorische Insuffizienz" auf, d.h. Lungenbläschen werden schlechter belüftet und weniger Kohlendioxid wird aus dem Blut abgegeben. Es kommt daher zu einem Anstieg des Kohlendioxids und zu einem meist geringem Sauerstoffmangel im Blut.

Erkrankungen mit ventilatorischer Insuffizienz:
- Erkrankungen, die das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven betreffen
- amyotrophe Lateralsklerose,
- verschiedenen Formen von Muskelabbau
- Muskelerkrankungen (Duchenne-Krankheit, Curshman-Steinert-Krankheit)
- angeborene Stoffwechselerkrankungen (Pompe-Krankheit)
- lange bestehende schwere Wirbelsäulenverkrümmung
- Folgeerkrankung nach durchgemachter Kinderlähmung (Post-Polio-Syndrom):
- Kombination aus Nervenschädigung und Muskelschwäche, u.a. des Zwerchfells
- nach einer Tuberkulose,
- wenn eine Operation - vor Einführung der effektiven Antibiotikabehandlung - ausgeprägte Deformationen des Brustkorbs hinterließ
- Minderbelüftung der Lunge infolge extremen Übergewichts
- Erschöpfung der Atempumpe im Rahmen einer lange bestehenden schweren Lungenerkrankung, u.a.
- chronisch-obstruktive Bronchitis,
- Lungenemphysem,
- Mukoviszidose,
- Endstadium eines bindegewebigen Umbaus von Lungengewebe
- Störungen des Atemzentrums mit einer zentral ausgelösten Minderbelüftung der Lungenbläschen.

Erkrankungen, die zunächst mit einer Verminderung des Sauerstoffaufnahme durch die Lunge einhergehen, werden dagegen nicht in erster Linie mit Heimbeatmung behandelt.

Wie funktioniert Heimbeatmung?
Bei der Heimbeatmung erfolgt die Behandlung der Atempumpenschwäche nicht-invasiv. D.h., dass zwischen Beatmungsgerät als Verbindungsstück des Patienten zum Gerät eine Maske oder ein Mundstück zwischengeschaltet ist.

Geschichte
In der Ära der Polioepidemie (ca. 1950-1960) wurde eine Beatmungstherapie mittels der "Eisernen Lunge" durchgeführt. Hier wurde von außen ein negativer Druck erzeugt, der die Lungen ausdehnen ließ. Danach wurden Verfahren der Positiv-Druck-Beatmung für den Einsatz auf Intensivstationen entwickelt. Erst in den letzten 10-15 Jahren fand die Heimbeatmung wieder

Eingang in die Medizin.
Wie arbeitet das Heimbeatmungsgerät?
Der am häufigsten verwendete Zugang für die Heimbeatmung (ca. 85 - 90 Prozent) ist die Nasenmaske, wobei individuell angefertigte Masken von großem Vorteil sind. Die Beatmung wird so besser akzeptiert und ist effektiver. Alternativen sind Mundstücke, Nasenoliven oder Mund-Nasen-Masken

Bei der Heimbeatmung wird fast immer Luft vom Beatmungsgerät über die Maske in die Lunge des Patienten gepumpt. Zuvor kann die Luft ggf. mit Sauerstoff angereichert werden. Das Beatmungsgerät gibt entweder vor, wie viel Druck oder welches Luftvolumen der Patient erhalten soll.

Die Beatmung kann auf zwei Arten erfolgen, wobei die Einstellung am Gerät nur von einem in der Beatmungstherapie erfahrenen Arzt vorgenommen werden darf:
Vorgabe von Atemfrequenz, Atemzugvolumen und Beatmungsdruck (kontrollierter Modus)
Wie oben, jedoch kann der Patient zusätzlich Atemzüge der Beatmungsmaschine auslösen (kontrolliert-assistierter Modus)
Im Einzelfall kann aufgrund technischer Unterschiede für den einzelnen Patienten das eine oder andere Gerät komfortabler sein. Die Wirksamkeit ist jedoch vergleichbar.

Wie wird die Heimbeatmung durchgeführt?

Ziele der Behandlung
Die Ziele einer Langzeitbeatmung unter häuslichen Bedingungen sind in erster Linie:
die Lebensqualität des Patienten verbessern und ihm eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen Symptome und Langzeitfolgen einer lang anhaltenden Unterbeatmung zu verbessern, insbesondere die Folgen für Herz und Kreislauf Das Leben zu verlängern, vor allem bei Erkrankungen, die das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln betreffen und bei schweren Wirbelsäulenverkrümmungen. Patienten mit ventilatorischer Insuffizienz leiden in der Regel an einer chronischen und fortschreitenden Erkrankung. Eine Therapie, die die Ursache dieser Erkrankung beseitigt, existiert - von Ausnahmen abgesehen - meist nicht. Aus diesem Grunde ist auch eine in der Regel lebenslange Beatmungstherapie notwendig.

Wie wird die Entscheidung zur Heimbeatmung getroffen?
Die Entscheidung, einen Patienten außerhalb des Krankenhauses zu beatmen, und die Art der Beatmung sollten erst nach Abwägung zahlreicher medizinischer und nichtmedizinischer Kriterien gefällt werden. Die medizinischen Kriterien beinhalten außer der Diagnose und der Vorhersage über den individuellen Verlauf und Ausgang der Erkrankung auch den erforderlichen Umfang der Beatmung.

Die Prognose des Patienten hängt von der Grunderkrankung, aber auch von Alter, Ausmaß der Atempumpenschwäche und begleitenden Erkrankungen ab. Der Beatmungsumfang kann von einigen Stunden täglich bis zu einer kontinuierlichen Beatmung über 24 Stunden täglich reichen.

Einweisung und Ersteinstellung
Die Einweisung in die Heimbeatmung sollte in der Regel in einem erfahrenen Zentrum unter stationären Bedingungen erfolgen. Nach Abschluss der Diagnostik und Aufklärung des Patienten erfolgt die Auswahl des Beatmungsgerätes und des Beatmungswegs.
Hat sich der Patient an die Maske gewöhnt, erfolgt die erste Einstellung der Beatmungswerte nach dem Komfort für den Patienten und unter Kontrolle der Blutgase. Besonders wichtig ist die Bestimmung des Kohlendioxids, das die Wirksamkeit der Beatmung widerspiegelt.

Üben der Beatmung
Unter dieser Primäreinstellung übt der Patient die Beatmung mehrmals am Tag, zunächst über kurze Phasen von 30 - 60 Minuten. Diese Beatmungszeiten werden dann kontinuierlich ausgedehnt und schließlich in die Nacht hinein verlagert Meist reicht eine Beatmung von 6-8 Stunden täglich aus, um eine ausreichende Entlastung und Erholung der chronisch überlasteten Atemmuskulatur zu gewährleisten.
Für die Einleitung der Heimbeatmung werden durchschnittlich 7 Tage stationären Aufenthaltes benötigt.

Nachsorge
Eine Entlassung des Patienten ist erst bei klinischer Stabilität des Patienten und bei gesicherter häuslicher Versorgung möglich. Vor der Entlassung werden Patient, Angehörige und das evtl. erforderliche Behandlungsteam ausführlich geschult.

Engmaschige Verlaufskontrollen sind erforderlich, um den Erfolg der Therapie in der häuslichen Umgebung zu gewährleisten und ggf. rechtzeitig eine Wechsel von nicht-invasiver auf invasive Beatmung einzuleiten.
Ambulante Kontrolluntersuchungen sollten bei Maskenbeatmung alle 3 Monate erfolgen, Kontrolluntersuchungen im Beatmungszentrum sollten halbjährlich bis jährlich, je nach Schwere der Erkrankung, durchgeführt werden.

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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