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Atemnot (Dyspnoe, Luftnot)
Am Samstag, den 01. September 2018 wird von 9:00 - 17:00 Uhr in Hattingen/NRW im LWL Industriemuseum das 11. Symposium-Lunge stattfinden. Alle weiteren Informationen zu unserem Jahreskongress entnehmen Sie bitte den Kongresswebseiten auf unserer Homepage
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Atemnot (Dyspnoe, Luftnot)

Bei der Behandlung von Luftnot können zwei verschiedene therapeutische Ansätze unterschieden werden: Therapiemaßnahmen zur Linderung der Beschwerden (symptomatische Therapie) und solche zur Bekämpfung der Ursache.

Bei der ursächlichen Therapie wird die Grunderkrankung behandelt, dadurch bessert sich dann auch die Luftnot. Hat ein Patient beispielsweise Luftnot aufgrund eines großen Pleuraergusses (Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Blättern des Brustfells) so führt die Punktion und das Ablassen von Flüssigkeit schnell zu einer Erleichterung. Oder werden bei einer Lungenentzündung Antibiotika gegeben, so verschwindet mit dem Abheilen der Lungenentzündung auch die Luftnot. Beim letzten Beispiel dauert es aber einige Tage, bis die Maßnahme zur Verbesserung der Luftnot führt. Als Überbrückung müssen in der Zwischenzeit auch symptomatische Maßnahmen durchgeführt werden. Das gleiche gilt, wenn sich die Grunderkrankung nicht oder nur unzureichend behandeln lässt. Im Folgenden sollen die Maßnahmen kurz vorgestellt werden, die akut als symptomatische Therapie eingesetzt werden.

Akute Maßnahmen zur Behandlung der Atemnot

Sauerstofftherapie

Die Gabe von reinem Sauerstoff mittels einer Nasensonde (Nasenbrille) oder einer Maske ist eine der wichtigsten symptomatischen Maßnahmen. Normalerweise beträgt der Sauerstoffgehalt der Luft 21 Prozent, durch Zumischung von reinem Sauerstoff mittels einer Sauerstoff-Nasensonde lässt sich die Konzentration auf cirka 40 Prozent erhöhen. Durch die erhöhte Sauerstoffkonzentration in der Einatemluft verbessert sich der Sauerstoffgehalt des Blutes und damit auch die Luftnot. Die erhöhte Atemarbeit verbessert sich dadurch allerdings nur teilweise. Sauerstoff sollte jedem Patienten mit akuter Luftnot als symptomatische Maßnahme gegeben werden. Zu beachten ist, dass Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (chronisch-entzündliche Lungenerkrankung mit Verengung der Atemwege) zunächst nicht zu viel Sauerstoff gegeben wird. Der Grund dafür ist, dass die Atmung im Atemzentrum des Gehirns auch über den Sauerstoffgehalt des Blutes gesteuert wird. Ist dieser nach Sauerstoffgabe zu hoch, dann kann der Atemantrieb so stark vermindert sein kann, dass der Betroffene zu wenig atmet. Daraus kann ein starker Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration im Blut resultieren mit der Folge einer sogenannten CO2-Narkose.

Medikamente

Als medikamentöse Akutmaßnahmen zur Verbesserung von Luftnot kommen bei obstruktiven Lungenerkrankungen (Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Lungenerkrankung) in erster Linie Medikamente zur Anwendung, welche die Bronchien erweitern: Sympathomimetika, die zur Inhalation, als Tabletten oder Spritze gegeben werden (zum Beispiel Terbutalin [unter anderem Bricanyl®]) und Theophyllin (als Tabletten oder als Tropf, zum Beispiel Euphylong®).

Morphin-Präparate sind in der Lage, das Gefühl der Luftnot zu verringern. Sie werden daher bei schwerster, anders nicht ausreichend behandelbarer Luftnot eingesetzt. Problematisch ist die Tatsache, dass sie den Atemantrieb herabsetzen. Aus diesem Grund werden sie nur unter ärztlicher Überwachung und sorgfältiger Abwägung angewandt. Beruhigende Medikamente kommen gelegentlich zum Einsatz, wenn sehr starke Angst und Aufregung die Luftnot begleiten oder verstärken. Auch beruhigende und angstlösende Medikamente vermindern den Atemantrieb, weshalb die Verwendung nur nach ärztlicher Anweisung erfolgen sollte.

Andere Maßnahmen

Beim Hyperventilationssyndrom liegt ein meist psychisch bedingtes, vermehrtes Ein- und Ausatmen vor. Es wird zu viel Kohlendioxid abgeatmet und das Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut verschiebt sich dadurch in den basischen Bereich. Neben der Beruhigung hilft es den meist sehr aufgeregten und ängstlichen Patienten, wenn man sie vorübergehend in eine Plastiktüte ein- und ausatmen lässt. Dadurch wird ein Teil des zu viel abgeatmeten Kohlendioxids wieder eingeatmet und die Verschiebung im Säure-Basen-Haushalt normalisiert sich wieder. Die Gabe von Kalzium ist nicht notwendig, da kein absoluter Mangel an Kalzium besteht, sondern sich nur das Gleichgewicht von geladenem und ungeladenem Kalzium verschiebt. Auch diese Verschiebung wird automatisch rückgängig gemacht, wenn der Kohlendioxidgehalt des Blutes wieder im Normalbereich liegt.) Zusätzlich können gegebenenfalls beruhigende Medikamente, wie Diazepam (Valium®) gegeben werden.

Bei Luftnot aufgrund einer Anämie hilft die Gabe von Blutkonserven (rote Blutkörperchen), um kurzfristig die Beschwerden zu bessern. Aber auch hier gilt, dass die Ursache der Anämie (zum Beispiel Eisenmangel) zu suchen und zu beheben ist.

© Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland
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