Selbsthilfegruppe & Mailingliste
Lungenemphysem
COPD  Deutschland

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Symposium - Lunge 2009
03. Oktober 2009 in Hattingen/Ruhr

Motto:
COPD und Lungenemphysem

Thema:
Welches sind die entscheidenden Therapiesäulen?
Von der Prophylaxe bis zur operativen Behandlung

09:00
Einlass

09:00 - 10:15
Alle Besucher des Symposiums haben die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen.

10:15 - 10:30
Eröffnungsansprache und Begrüßung


Jens Lingemann,
Hattingen

Gründer und Koordinator der Selbsthilfegruppen Lungenemphysem – COPD
Deutschland


1. Vorsitzender COPD - Deutschland e.V.


10:30 - 10:55
 

Prof. Dr. med. Helmut Teschler
Essen


Ärztlicher Direktor
Ruhrlandklinik gGmbH am Universitätsklinikum Essen

 

Die Krankheitsbilder COPD und Lungenemphysem, Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine in aller Regel chronisch fortschreitende Erkrankung der Lunge, die durch eine Verengung und Verstopfung der Atemwege mit nachfolgendem Umbau des Lungengewebes gekennzeichnet ist. Als Sammelbegriff bezeichnet COPD eine Gruppe von Lungenkrankheiten, die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung gekennzeichnet sind. In erster Linie sind die chronische Bronchitis, die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem zu nennen.

Als Lungenemphysem bezeichnet man dagegen die irreversible Überblähung der belüfteten Räume distal der terminalen Bronchiolen. Beim so genannten zentriazinären Emphysem sind die zentralen Teile des Azinus (kleinste Lungeneinheit) primär betroffen. Die Hauptursache für dieses Emphysem ist das Rauchen. Die Schadstoffe führen zu einer Entzündung, die das interstitielle Lungengewebe angreift. Das so genannte panazinäre Emphysem entsteht am peripheren Ende des Azinus.

Hauptursache für seine Entstehung ist der vererbte Mangel des Enzyms Alpha-1-Antitrypsin. Dieses Enzym schützt die Lunge vor Proteasen, die das Gewebe, insbesondere aber die elastischen Fasern in den Wänden, der Lungenbläschen jetzt ungeschützt angreifen und zerstören können. Wenn die Wände der Lungenbläschen einreißen, entstehen immer größere Emphysemblasen. Es bildet sich ein panlobuläres und bei weiterem Wachstum ein bullöses Emphysem aus. Bei allen diesen Erkrankungen trägt vor allem die chronische Entzündung zur Aufrechterhaltung des Krankheitsgeschehens bei, das durch Noxen verschiedenster Art (Rauchen, Infektionen, Umweltverschmutzung usw.) angefacht und unterhalten wird. Bei der Erkrankung an COPD klagen die Patienten zunächst über Husten (oft als Raucherhusten verharmlost) und über wechselnd viel Auswurf, aber erst Jahre später über Atemnot bei körperlicher Belastung. Beim „reinen“ Lungenemphysem steht die Atemnot bei Belastung dagegen im Vordergrund. Die COPD kann mit einer asthmatischen Reaktion kombiniert sein, die beim Emphysem seltener vorkommt.

Schwere Formen einer COPD lassen sich häufig in zwei charakteristische klinische Erscheinungsformen einteilen:

• Beim Blue Bloater („blauer Aufgedunsener“) handelt es sich um die schwere Form einer COPD, die auf dem Boden einer chronischen (obstruktiven) Bronchitis entstehen kann. Diese Patienten haben meist Übergewicht und leiden unter Husten mit wechselnd viel Auswurf. Trotz einer ausgeprägten Zyanose (Blausucht)mit hochgradigem Sauerstoffmangel (Hypoxie) und Anreicherung von Kohlendioxid im Blut (Hyperkapnie) ist die Atemnot eher gering ausgeprägt. Auf den Sauerstoffmangel reagiert der „Blue Bloater“ mittels vermehrter Bildung roter Blutkörperchen (Polyglobulie).

• Beim Pink Puffer („rosa Schnaufer“) handelt es sich um einen Typ des Lungenemphysematikers mit asthenischem Konstitutionstyp (hervorgerufen durch ständig vermehrte Muskelarbeit der Atemmuskulatur), starker Dyspnoe und eher trockenem Husten. Die Patienten haben eine allenfalls leichte Zyanose, da kein oder ein nur geringgradiger Sauerstoffmangel besteht. Nur selten (Spätstadium) findet sich eine Anreicherung von Kohlendioxid im Blut (Hyperkapnie).

Auch in der Behandlung finden sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Das gemeinsame Behandlungsziel besteht darin, das Fortschreiten der Erkrankung zu mindern oder aufzuhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Voraussetzung jeder sinnvollen Behandlung ist es, zunächst schädigende Einflüsse auszuschalten. Dazu muss das Rauchen bei COPD und Lungenemphysem grundsätzlich aufgegeben werden, auch Passivrauchen ist zu vermeiden. Die Beendigung des Rauchens ist die einzige Möglichkeit, nachweislich die Prognose dieser Erkrankungen deutlich zu verbessern.

Ein entscheidendes Ziel in der medikamentösen Therapie bei COPD und Emphysem ist es, die Bronchien zu erweitern um die Atmung zu verbessern. Die Medikamente, die hierfür verwendet werden, nennen sich „Bronchodilatatoren“. Durch diese Gruppe von Medikamenten werden die im Rahmen der Erkrankung enggestellten Bronchien durch Einwirken auf die Bronchialmuskulatur mehr oder weniger weit gestellt. Vorwiegend werden zwei Medikamentengruppen dazu eingesetzt. Zum einen die „Beta-2-Mimetika“ und zum anderen die „Anticholinergika“.

Der Stellenwert von inhalierbarem Kortison ist nur bei schwerer bis sehr schwerer COPD gesichert. Kortisontabletten helfen bei beiden Erkrankungen nur im Falle einer schweren Exazerbation. Antibiotika sind bei bakteriellen Infektionen angezeigt und können die sonstige Therapie dann sinnvoll unterstützen. Die Substitution mit humanem Alpha-1-Konzentrat (Prolastin HS) kommt nur für Patienten mit stark erniedrigten Blutspiegeln von Alpha-1-AT und fortgeschrittenem Emphysem infrage.

Von der Sauerstofflangzeittherapie profitiert der COPD-Patient vom Typ des Blue Bloaters aus Sicht der Lebenserwartung wahrscheinlich mehr als der Emphysematiker, der mit Sauerstoff oft weniger Atemnot empfindet. Die nicht invasive Beatmung ist bei der COPD eines Blue Bloaters besonders effektiv, wird vom reinen Emphysematiker dagegen selten – oder erst im fortgeschrittenen Stadium - mit gutem Erfolg akzeptiert. Die Lungentransplantation kommt bei schwerster COPD und bei fortgeschrittenem Emphysem als letzte Option nach Ausschöpfung aller anderen zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden für ansonsten weitgehend gesunde Menschen unter 65 Jahren infrage.


10:55 - 11:20

Dr. med. Thomas Hering,
Berlin

Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, Umweltmedizin

stellvertretender Vorsitzender des
Bundesverbandes der Pneumologen (BdP)

 

Hauptursache von COPD und Emphysem ist das Rauchen
Nichtraucherprävention und Tabakentwöhnung bei COPD"

Der chronische Entzündungsprozess des Bronchialsystems bei COPD hat bei der großen Überzahl der Erkrankten seine Ursache im Tabakrauch, also zumeist dem Zigarettenrauch. 9 von 10 COPD-Erkrankten haben ihre Erkrankung durch das langjährige Rauchen erworben. Allerdings: nicht alle Raucher bekommen eineCOPD.
Von 100 langjährigen Rauchern bekommen etwa 20 - 25 eine COPD, die anderen 75 - 80 % erkranken „nur“ an einer chronischen Bronchitis und haben – genau wie die COPD-Kranken – ein stark gesteigertes Risiko, am Herzinfarkt und am Lungenkrebs zu erkranken und zu sterben.

Schon nach 5 - 10 Jahren eines dauerhaften Zigarettenkonsums ist das vorzeitige Altern der Lunge durch die Spirometrie diagnostizierbar. Wenn fortdauernd geraucht wird, schreitet die Erkrankung unbarmherzig voran und führt zum frühzeitigen Versiegen der Atemkapazität: frühzeitige schwere Behinderung und ein vorzeitiges Versterben sind die Folgen.

An vorderster Stelle der Therapie und am wichtigsten: die Beendigung des Tabakkonsums! Fortdauerndes Rauchen führt – daran kann eine medikamentöse Therapie überhaupt nichts ändern – zum gnadenlosen Fortschreiten der Erkrankung: Die Atemkapazität sinkt von Jahr zu Jahr. Sobald sie ein gewisses Mindestmaß unterschreitet, ist die schwere Behinderung die Folge. Dann können Verrichtungen des Alltags wie das Erledigen des eigenen Haushaltes, der Einkäufe, der Körperpflege nicht mehr ohne Hilfe geschafft werden. Tabakentwöhnung – also das Loskommen von der Nikotinabhängigkeit – ist eine nicht leichte, jedoch machbare Aufgabe!

Sowohl die „erlernte“ Abhängigkeit von der Zigarette als auch die regelrechte Nikotin-Drogensucht sind zu überwinden. Entsprechend gehen alle wirksamen Entwöhnungsprogramme von einer Kombination einer Verhaltensbeeinflussung („psychosoziale Unterstützung“/Verhaltenstherapie) sowie einer begleitenden medikamentösen Unterstützung (Nikotinersatzpräparate sowie Tabletten-Therapie z. B. mit Champix® oder Zyban®) aus.


11:20 - 11:45
Prof. Dr. med. Claus Franz Vogelmeier,
Marburg

Direktor der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie am Universitätsklinikum Giessen und Marburg, Standort Marburg


Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.
  Alpha-1-Antitrypsinmangel als mögliche Ursache des Emphysems


Vor ungefähr 40 Jahren wurde der Alpha-1-Antitrypsinmangel erstmals von Laurell und Erikkson beschrieben. In der Zwischenzeit wurden wesentliche Fortschritte gemacht: Wir kennen jetzt die zugrundeliegenden molekularen Pathomechanismen und haben mit der Alpha-1-Antitrypsin-Substitutionstherapie ein kausales Behandlungsverfahren zur Verfügung.

Allerdings ist der Alpha-1-Antitrypsinmangel eine relativ seltene Erkrankung. Dies führt dazu, dass die Krankheit nicht im Bewusstsein von Patienten und Ärzten verankert ist. Oftmals wird dadurch die Diagnose zu spät gestellt.

Vor diesem Hintergrund ist es von wesentlicher Bedeutung, Patienten mit einem angeborenen Alpha-1-Antitrypsinmangel frühzeitig zu entdecken. Es sollten insbesondere alle Patienten getestet werden, die in relativ jungem Lebensalter (z. B. unter 50 Jahre) eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) entwickeln (und zwar unabhängig von der Raucheranamnese).

Weiterhin sollten alle erstgradig mit betroffenen Patienten verwandte und solche Menschen, in deren Familien gehäuft eine COPD auftritt, getestet werden. Darüber hinaus sollten nach internationalen Richtlinien alle Patienten mit Asthma auf einen Alpha-1-Antitrypsinmangel untersucht werden, bei denen die Bronchialobstruktion nur partiell reversibel ist.

11:45 - 12:10  

Norbert K. Mülleneisen,
Leverkusen

Asthma- und Allergiezentrum Leverkusen

 
Der COPD-/Emphysempatient in der ambulanten pneumologischen Praxis

Wann muss ich zum Facharzt, was kann mein Hausarzt? Was darf mein Hausarzt, was mein Facharzt noch verordnen? Was darf ich, was soll ich meinen Arzt fragen? Woran erkenne ich einen guten Arzt? Gibt es sanfte Medizin oder Naturheilverfahren, die mir helfen können? Welches Krankenhaus, welche Rehaklinik empfiehlt mein Arzt? Was erwartet mein Arzt von mir? Wie bereite ich mich auf den Arztbesuch vor? Soll ich in eine Selbsthilfegruppe, wenn ja, in welche? Woran erkenne ich eine gute Selbsthilfegruppe?


12:10 - 14:00
Mittagspause, alle Besucher des Symposiums haben die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen.

14:00 - 14:25  

Prof. Dr. med. Kurt Rasche,
Wuppertal

Direktor des Lungenzentrums Kliniken St. Antonius
Akad. Lehrkrankenhaus der HHU Düsseldorf

 
Der COPD-/Emphysempatient in fachstationärer Behandlung

Durch ein mittlerweile dichter gewordenes Netz von niedergelassenen Pneumologen erfolgt heute das sog. Management des COPD- bzw. Emphysempatienten überwiegend ambulant. Die fachstationäre Behandlung eines COPD-Patienten wird aber häufig dann erforderlich, wenn es zu einer sog. akuten Exazerbation der Erkrankung, die vielfach durch einen Infekt hervorgerufen wird, kommt.

In diesem Fall kann es durch eine Zunahme der Atemwegsverengung (med.: „Atemwegsobstruktion“) sowie durch eine vermehrte Bronchialschleimbildung (med.: „Hypersekretion“) zu einer zunehmenden Atmungsschwäche (med.: „respiratorische Insuffizienz“) kommen, die aus Sicherheitsgründen, aber auch wegen der erweiterten Behandlungsmöglichkeiten im Krankenhaus, nicht mehr ambulant behandelt werden sollte.

In der Klinik wird zunächst an Hand der klinischen Befunde und der Blutgasanalyse festgelegt, ob der Patient auf einer Normalstation oder der Überwachungs- bzw. Intensivstation behandelt werden muss. Ist letzteres der Fall, so wird neben der Intensivierung der medikamentösen Therapie einschließlich einer Antibiotikagabe bei niedrigem Sauerstoffdruck ggf. auch eine Sauerstofftherapie und bei zusätzlich erhöhtem Kohlendioxiddruck sogar eine Beatmungstherapie, letztere möglichst nicht-invasiv, also mit einer Beatmungsmaske, notwendig.

Kommt es zu einer Stabilisierung der Atmungsfunktionen, kann der Patient wieder auf der Normalstation ohne dauerhafte Überwachung behandelt werden. Sofern dies nicht bereits im ambulanten Bereich geschehen ist, werden hier dann ergänzende Untersuchungen zur Feststellung von Art, Ursache und Ausmaß der COPD durchgeführt. Hierzu zählen eine umfassende Lungenfunktionsprüfung, eine Computertomographie der Brustkorborgane, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, ein Allergietest wie aber auch Blutuntersuchungen, z. B. die Bestimmung des sog. a1-Antitrypsins, einem Eiweiß, das bei bestimmten erblich bedingten Formen des Lungenemphysems erniedrigt ist.

Darüber hinaus muss entschieden werden, ob der Patient auf Dauer eine Sauerstofftherapie oder sogar eine häusliche Beatmung, z. B. über eine Nasen- oder Gesichtsmaske, benötigt.

Die Entscheidung zur Sauerstoff-Langzeit- oder zur Beatmungstherapie sollte möglichst in Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Pneumologen erfolgen, da während einer akuten Exazerbation hierüber häufig noch keine endgültige Aussage gemacht werden kann. Die fachstationäre Behandlung umfasst weiterhin noch die Intensivierung und Erlernung spezieller krankengymnastischer und atemtherapeutischer Techniken, die der Patient dann auch im ambulanten Bereich fortführen kann. Auch sollte, wenn erforderlich, durch Beratung eine Weichenstellung in Richtung einer langfristigen Raucherentwöhnung erfolgen. Schließlich muss in der Klinik sehr rasch über die Notwendigkeit einer anschließenden Rehabilitationsmaßnahme entschieden werden und von hier aus bereits der entsprechende Antrag beim zuständigen Kostenträger gestellt werden.


14:25 - 14:50  
Prof. Dr. med. Susanne Lang,
Gera

Chefärztin Medizinische Klinik II
am SRH Waldklinikum Gera
 

Notwendigkeit der Verordnung der Sauerstoff-Langzeittherapie und Umsetzung der Therapie
durch den Patienten


Sauerstoff steht am Beginn allen Lebens und ist so wichtig wie Essen und Trinken. Um eine ausreichende Versorgung des menschlichen Organismus mit Sauerstoff zu gewährleisten, müssen verschiedene Organsysteme – Lunge, Herz, Kreislauf, Muskulatur - zusammenarbeiten.

Bei einem chronischen Sauerstoffmangel durch Erkrankungen der Atemwege oder der Lunge müssen Herz und Kreislauf versuchen den Mangel auszugleichen und die Muskulatur arbeitet, sozusagen „auf Sparflamme“. Längerfristig führt dies zu einer Überlastung des Herzens, zu einer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit und verringerten Lebensqualität sowie zu einer verkürzten Lebenserwartung.

Deshalb ist die Sauerstoff-Langzeittherapie so wichtig für Patienten, die einen chronischen, d.h. lang anhaltenden Mangel an Sauerstoff haben. Wenn ein Mangel nur vorübergehend besteht, z. B. bei einer Lungenentzündung oder einer vorübergehenden Verschlechterung der Lungenkrankheit ist es nicht sinnvoll, sofort eine Langzeitbehandlung mit Sauerstoff einzuleiten.

Wenn Sauerstoff verordnet wird, muss gemessen werden wie niedrig der Sauerstoffgehalt im Blut ohne zusätzliche Gabe von Sauerstoff ist und wie stark der Sauerstoffgehalt im Blut durch Sauerstoffgabe ansteigt. So lässt sich die Flussrate, die am Sauerstoffgerät eingestellt wird, bestimmen. Der Patient sollte diese Einstellung nicht selbstständig verändern und die Behandlung möglichst konsequent durchführen. Es wird empfohlen, die Sauerstoff-Langzeittherapie mindestens 16 Stunden am Tag (besser 24 Stunden) durchzuhalten.

Für die Umsetzung der Therapie ist es sinnvoll, dass sich Patienten möglichst gut über die Behandlung und die Geräte informieren. Dazu gehören die Pflege der Geräte, die Verwendung von sterilem Wasser (wenn nötig), die Schlauchsysteme aber auch wie man im Urlaub versorgt werden kann oder was man bei Flugreisen beachten muss.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient, Krankenhausarzt und
Hausarzt oder Lungenarzt ist wichtig und wird von Patientenselbsthilfegruppen noch unterstützt.


14:50 - 15:15  
Prof. Dr. med. Dieter Köhler,
Schmallenberg

Chefarzt Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft

Stellvertretender Vorsitzender des Instituts für Lungenforschung e.V.
 
Die Nicht-invasive Beatmung; welche Patienten profitieren davon?

Für die Behandlung der schweren COPD gab es in den letzten Jahrzehnten eigentlich nur die Sauerstofflangzeittherapie, in vereinzelten Fällen auch mal die Lungentransplanation. In den letzten Jahren ist hier die Nicht invasive Beatmung zu Hause als sehr großer Fortschritt gerade in Deutschland hinzugekommen.

Schaut man jedoch auf die anderen Länder, werden die Therapieeffekte als nur gering beschrieben. In manchen Ländern wird sogar die Beatmung nicht mehr von den Versicherungen übernommen. Hintergrund ist die falsche Auswahl der dafür in Frage kommenden Patienten und die in diesen Ländern anders durchgeführte Beatmung.

Nimmt man nur COPD - Patienten mit erhöhtem Kohlendioxid im Blut (Hyperkapnie) und beatmet sie entsprechend, so sind die Erfolge sehr deutlich. Es braucht aber große Erfahrung, um den Patienten richtig auf eine Maskenbeatmung einzustellen.

Alle Patienten mit erhöhtem Kohlendioxid im Blut haben eine chronisch überlastete Atemmuskulatur infolge ihrer COPD. Werden diese Patienten (vorwiegend nachts)durch eine Maske so beatmet, dass die Eigenatmung nahezu unterdrückt wird, kann sich die Muskulatur wieder erholen und Energie (Glykogen) tanken. Durch die Wiederauffüllung der Energiespeicher kann dann die Atemmuskulatur nach der Beatmung deutlich mehr leisten, was sich in etwa in einer Verdopplung der Belastung widerspiegelt.

Allerdings ist diese Therapie nicht ganz einfach, denn die Patienten müssen lernen während der Beatmung die eigene Tätigkeit der Atemmuskulatur ganz einzustellen. Dazu gibt es heute entsprechende Geräte die Hilfestellung leisten sowie auch eine Menge verfügbarer Masken, so dass in fast allen Fällen ohne Beschwerden die Beatmung durchgeführt werden kann.

Nach unseren Erfahrungen lohnt sich eine Beatmungstherapie, wenn der pCO2-Wert deutlich über 50 mm Hg liegt. Dann profitieren 80 bis 90% der Patienten davon.

15:15 - 15:45 Alle Besucher des Symposiums haben die Gelegenheit die Ausstellung zu besuchen.

15:45 - 16:10  

Prof. Dr. med. Georgios Stamatis,
Essen

Chefarzt Abteilung Thoraxchirurgie und thorakale Endoskopie an der Ruhrlandklinik

 

 
LVR vor LTX? Lungentransplantation als ultima ratio?

Das fortgeschrittene Lungenemphysem ist eine schwerwiegende Erkrankung, die eine erhebliche Morbidität und Letalität verursacht. Die Atemnot setzt bereits nach geringer körperlicher Belastung ein und ist das führende klinische Symptom. Eine medikamentöse Behandlung ist nur begrenzt wirksam, da die bereits bestehenden anatomischen Veränderungen kaum beeinflussbar sind. Von allen bisher praktizierten chirurgischen Verfahren versprechen die Volumenreduktion der Lunge (LVR) und die Lungentransplantation (LTX) einen Erfolg.

Beide Verfahren haben als Ziel die Verbesserung der Atemnot und der körperlichen Belastbarkeit der Patienten mit schwerem Lungenemphysem. Die Indikation wird auf der Basis der Anamnese, des körperlichen Status, der radiologischen Diagnostik (Röntgenbild und Computertomographie des Thorax), der Perfusionsszintigraphie, der Lungenfunktion und der Blutgase gestellt. Ein präoperatives Rehabilitationsprogramm ist sinnvoll und führt zur Reduktion der postoperativen Morbidität und Mortalität. Bei der LVR kann der Eingriff ein- oder doppelseitig, offen oder thorakoskopisch vorgenommen werden.

Die bisherige Erfahrung mit der LVR, besonders die systematische Analyse der verschiedenen Patientengruppen bei der NETTrial hat gezeigt, dass es eine kleine Gruppe mit apikalem inhomogenem Emphysem gibt, die von der LVR enorm profitiert, mit ausgezeichneten Langzeitergebnissen. Bei der Lungentransplantation wird ellektiv die Herz-Lungenmaschine eingesetzt, nach doppelseitiger Transplantation sind die funktionellen Ergebnisse besser als nach dem einseitigen Eingriff. Die Langzeitergebnisse werden jedoch vom Auftreten der chronischen Organabstoßung und der Entwicklung einer Bronchiolitis obliterans beeinflusst.

Um die langen Wartezeiten bis zu Lungentransplantation zu überbrücken kann die LVR bei bestimmten Patienten mit inhomogenem Emphysem als „bridging“ Verfahren benutzt werden.

16:10 - 16:35  

Prof. Dr. med. Helgo Magnussen,
Großhansdorf

Ärztlicher Direktor Krankenhaus Großhansdorf
Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie
Lehrstuhl für Innere Medizin-Pneumologie
Medizinische Fakultät der Universität zu Lübeck

 

Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion bei verschiedenen Formen des Lungenemphysems

Bronchologische Behandlung des schweren Lungenemphysems.

Das Lungenemphysem geht mit einer Zerstörung des Lungengewebes einher. Dieser pathologische, anatomische Prozess führt zur Lungenüberblähung, die wesentlich für die Beschwerden der Patienten ist. Die medikamentöse, nicht-medikamentöse und rehabilitative Therapie des schweren Lungenemphysems führt häufig nur zu einer unzureichenden Linderung der Beschwerden.

Daher sind in den letzten Jahren experimentelle Untersuchungen zur bronchologischen Behandlung des Lungenemphysems durchgeführt worden, die unter dem Begriff „Bronchologische Lungenvolumenreduktion“ (BLVR) zusammengefasst werden.

Drei verschiedene BLVR Verfahren sind gegenwärtig in der Erprobung:
1. endobronchiale Ventile
2. airway bypass Systeme
3. biologischer Umbau des Lungengewebes

Zu 1.: Der Grundgedanke, der den endobronchialen Ventilen zugrunde liegt, ist einfach: Werden Atemwege z. B. durch einen Fremdkörper verlegt, so entwickelt sich bei gesunden Menschen innerhalb weniger Stunden eine sogenannte Resorbtionsatalektase, die mit einer Verkleinerung des Lungenvolumens einhergeht. Sollte der Verschluss der Atemwege z. B. durch ein Ventil oder eine andere mechanische Maßnahme beim Lungenemphysem ebenfalls zu einer Atelektase führen, kann die krankhafte Lungenüberblähung vermindert werden.

Emphasys Medical, USA, hat die Pionierarbeit in der Ventiltherapie beim Lungenemphysem geleistet. In einer groß angelegten Studie (VENT-Study) zeigten ca. 20% der Patienten eine Besserung der Lungenfunktion. Die Plazierung der Ventile war unproblematisch und die Nebenwirkungen selten und beherrschbar. Der Umstand, dass nur ein Teil der Patienten eine Besserung zeigte, liegt vermutlich darin, dass überschüssige Luft nicht über die Atemwege sondern eine kollaterale Ventilation in die emphysematösen Lungenbezirke gelangt.

Die Firma Spiration hat ein andersartiges endobronchiales System entwickelt, das noch weiterer Prüfung bedarf.

Zu 2.: Bronchus Incorporated, USA hat ein Verfahren in der Entwicklung, bei welchem mit einem endobronchialen Katheter kleine Löcher in die Wände der großen Atemwege gesetzt werden. Mit Hilfe dieser „Fensterung“ der Atemwege soll die überschüssige Luft entweichen.
Das Verfahren ist technisch wesentlich aufwendiger als die endobronchialen Ventile und kann noch nicht abschließend bewertet werden.

Zu 3.: Die Firma Aeris Therapeutics, USA, führte ein anderes Konzept ein. Die bronchologische Eingabe von biologischen Materialien in die Alveolen und kleinen Atemwege bewirkt eine Schrumpfung des so behandelten Lungengewebes und führt zu einer Abnahme der Lungenüberblähung. Das Verfahren ist erfolgversprechend, da es vermutlich weniger von der kollateralen Ventilation abhängig sein wird als die endobronchialen Techniken.

Den ersten Berichten über wenige Patienten werden größere Untersuchungen unter Beteiligung deutscher Zentren folgen.

Die Verfahren zur bronchologischen und biologischen Lungenvolumenreduktion sind vielversprechend. Es ist aber noch keine abschließende Bewertung möglich. Klinische Studien sind daher in ausgewiesenen Zentren empfehlenswert, da die Risiken angesichts des möglichen Nutzens gering sind.


16:35 - 17:00  
Prof. Dr. med. Heinrich Worth,
Fürth

Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Fürth

Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga e.V.

Vorsitzender der AG Lungensport in Deutschland e.V.

 

 

Lungensport bei schwerer COPD - Welche Möglichkeiten gibt es?

Patienten mit COPD werden durch ihre Lungenerkrankung häufig in ihrer Belastbarkeit eingeschränkt. Als Folge der eingeschränkten Belastbarkeit wird von den betroffenen Patienten Atemnot bei körperlicher Belastung beklagt, die zu körperlicher Schonung, einer Abnahme der Kondition und hierdurch bedingt zu einer Abnahme der Lebensqualität führt. Soziale Isolation und die Entwicklung von Depressionen sind die Folge.

Körperliches Training führt bei allen Schweregraden der COPD, auch im höheren Lebensalter, zu einer Abnahme der Atemnot unter Belastung, einer Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und der hiermit verbundenen Steigerung der Lebensqualität. Durch die geeignete Auswahl der Trainingsinhalte Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit in Abhängigkeit vom Trainingszustand des Patienten lässt sich ein längerfristig wirksames Trainingsprogramm aufbauen.

Bei Patienten mit schwerer COPD können dosiertes Krafttraining, insbesondere aber das Intervall-Training und überbrückend auch die neuromuskuläre Elektrostimulation zum Aufbau von Trainingseffekten genutzt werden. Druckunterstützung bei der Einatmung und Training der Atemmuskulatur sind Möglichkeiten zur Trainingsverbesserung in speziellen Situationen. Die positiven Effekte körperlichen Trainings können nur durch dauerhafte Ausübung des Trainings und entsprechende wohnortnahe Trainingsmöglichkeiten langfristig aufrecht erhalten werden, insbesondere auch durch die Nutzung ambulanter Lungensportgruppen.


17:00 - 17:10 Resümee des Tages und Schlussworte
Jens Lingemann,
Hattingen

17:10 - 17:20
Schlußworte
Prof. Dr. med. Helmut Teschler
Essen

17:20 - 18:00

Beantwortung der schriftlich formulierten Patientenfragen


 
(Kurzfristige Änderungen des Programm behalten wir uns vor)



Die letzte Änderung erfolgte am 29.09.2009
Wegweiser: http://www.lungenemphysem-copd.de -> Motto und Themen